Onkel Wanja kommt
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Neuigkeiten

  • Nun ist es amtlich, der Flughafen Kaliningrad wird Immanuel Kants
    Namen nicht tragen. Der Philosoph unterlag bei der Volksabstimmung der
    Zarin Elisabeth. Die Flughäfen in Russland wurden traditionell nach den Dörfern benannt, die beim Bau des jeweiligen Flugplatzes kaputt gingen. In anderen
    Ländern tragen die Flughäfen die Namen der Präsidenten und bedeutenden
    Politikern. In Russland gibt es seit zwanzig Jahren nur einen bedeutenden Politiker und Präsidenten. Alle seine Vorgänger wurden von den Medien  diskreditiert, neue Präsidenten sind nicht geplant. Dieser Logik folgend sollten alle Flughäfen Russlands Putins Namen tragen, das könnte aber zum Chaos im Flugverkehr führen. Deswegen beschloss die Führung das Volk abstimmen zu lassen, wie die Flughäfen heißen sollen.
    Diese Abstimmung geriet zur einer großen Auseinandersetzung. Besonders
    heftig wurde in Kaliningrad gekämpft, für und gegen Kant. Seine
    Grabstätte wurde geschändet, seine Büste mit Farbbeuteln beworfen. Im
    Fernsehen hetzten Parlamentsmitglieder und hochrangige Militärs gegen
    den Philosophen. Der Oberbefehlshaber der baltischen Flotte, ein
    Admiral, bezichtigte Kant des Verrats: Kein echter Russe, ein
    hinterhältiger Deutscher sei er gewesen, der unverständliche Bücher
    schrieb, die niemand gelesen hat, behauptete der Admiral.
    Früher in der Sowjetunion war Kant fest in die Ideologie des Landes
    eingebaut, er galt als Vordenker  marxistischer Dialektik.
    Die Sowjetunion war eine Spätgeburt der europäischen Aufklärung, getauft
    von den deutschen Philosophen, Marx nutzte Kant als Vorlage für seine
    Ideologie, die in der Sowjetunion als „Wissenschaft“ galt. Man könnte sich
    unmöglich einen sowjetischen Admiral vorstellen, der gegen Kant hetzen
    würde. Im Finale unterlag Kant der russischen Zarin Elisabeth, der
    Tochter von Peter dem Großen, ihre Mutter kam aus Mecklenburg,

  • Kaminer erwärmt die Kanzlerin fürs Klima

  • Kaminer erwärmt die Kanzlerin fürs Klima – Eine Sonderbotschaft der Deutschen Umwelthilfe zur Klimakonferenz in Kattowitz. Von Wladimir Kaminer

  • Obwohl seit zwanzig Jahren in Deutschland auf Lesereise unterwegs, komme ich immer wieder in die Städte, die ich noch nie besucht hatte. Diese Woche sind es drei! Ab Donnerstag besuche ich Neustadt an der Saale ( Bayern), Halberstadt und Burg bei Magdeburg. Bin gespannt auf neue Leserinnen und Leser


  • Wir saßen an der Bushaltestelle in Neuruppin, ich und ein Brandenburger, der Bus kam und kam nicht. Über uns flogen die Gänse in einer V-Formation. Während die halbe Menschheit aus dem Süden in den Norden pilgerte, trainierten die Gänse ihren Keilflug in entgegengesetzte Richtung. Die Beständigkeit der Gänse beeindruckte mich. In der menschlichen Welt ging alles den Bach runter, Flüchtlingskolonnen marschierten nach Europa aus allen Richtungen, Klimawandel ließ die Pole schmelzen, Merkel gab den Parteivorsitz ab, die Nachrichten berichteten nur noch von Kriegen und Krisen, den Gänsen ging das alles am Schnabel vorbei. Hellen Mutes wie jedes Jahr in Herbst bereiteten sie sich zur winterlichen Evakuierung vor. Warum die Vögel bloß immer in dieser umständlichen V-Formation fliegen, während die Menschen ihre
    Wanderungen entweder als Menge oder geordnet als Kolonne absolvieren, blieb mir ein Rätsel Die Wissenschaft behauptet, das tun die Vögel, um eine bessere Flugsicht zu haben und die Luftströmung besser für sich zu nutzen, außerdem können die Gänse gar nicht Kolonne fliegen, denn wenn sie es tun, würde ihnen im Fall einer plötzlichen Vollbremsung der Schnabel im Hintern des vorderen stecken bleiben. Und eine solche Konstellation mache ein weiteres Fliegen unmöglich. „Die Gänse fliegen weg“ sagte ich zum Brandenburger an der Bushaltestelle. „Na und?“ konterte er. “Deprimiert Sie das etwa nicht?” hakte ich nach. “Nö”, sagte er. “Ist ja jedes Jahr dasselbe. Manche gehen, andere kommen. Eure Gänse aus Sibirien zum Beispiel,” sagte er, drehte sich um und schaute mir direkt in die Augen, als hielt er mich für den kleinen Nils
    Holgersson, als wäre ich auf sibirischen Gänsen hierher geflogen. „Oder kommste aus Polen?

  • Chemnitz bei Nacht

    Chemnitz bei Nacht

  • Meine Tochter studiert europäische Ethnologie, mein Sohn wurde beim Gartenbau immatrikuliert. Sie haben in der Kantine viele Gleichaltrige aus anderen Studienfächern kennengelernt, aus historischer Linguistik, Französisch, nachhaltige...

    Meine Tochter studiert europäische Ethnologie, mein Sohn wurde beim Gartenbau immatrikuliert. Sie haben in der Kantine viele Gleichaltrige aus anderen Studienfächern kennengelernt, aus historischer Linguistik, Französisch, nachhaltige Ernährungswissenschaft… Alle beschweren sich, das Studium sei zu theoretisch, beim Gartenbau ist man nie im Garten, Französisch wird auf Deutsch erklärt und bei der nachhaltigenErnährungswissenschaft gibt es nichts zu essen. Auch die Ernährungswissenschaftler müssen in die Mensa, dort eine halbe Stunde warten, bis ein Tisch frei wird und sie ihren Reis mit Erbsen drauf stellen können, gekocht von einer perlweiß gefärbten Frau, die gar nicht studiert hat, aber die nachhaltige Ernährungswissenschaft perfekt beherrscht. Sie weiß, dass die Studierenden den Reis aufessen, die Erbsen aber auf dem Teller liegen lassen. Darum püriert sie anschließend die Erbsen und am nächsten Tag stehen „Gemüsebuletten“ auf der Speisekarte. Jetzt sagt meine Tochter sie würde lieber DJ studieren, also soziale Kommunikation o.ä. Foto Bjarne Kasch

  • Hangar-312

    Russendisko in Neuruppin hat gezeigt, wie die Brandenburger feiern. Sie sind wie Wunderkerzen, zünden nicht gleich an, aber wenn sie brennen, kann weder Gott noch Teufel sie mit blößen Händen löschen.

  • Wer regiert die Welt? Wer hat alle Fäden in der Pfote? Wer pustet von außen auf die Gardine?
Nicht die Generäle, nicht die Geistlichen und nicht die Präsidenten.
Sondern sie. Läuft sie nach links, dann bringt’s, läuft sie nach Rechts, dann pecht’s....

    Wer regiert die Welt? Wer hat alle Fäden in der Pfote? Wer pustet von außen auf die Gardine?

    Nicht die Generäle, nicht die Geistlichen und nicht die Präsidenten.

    Sondern sie. Läuft sie nach links, dann bringt’s, läuft sie nach Rechts, dann pecht’s. Seid gut zu Euren Katzen!

  • Vor zehn Jahren hatten wir in Berlin einen Schrebergarten, klein und
    schmuddelig, die strengen Vorschriften machten uns viel zu schaffen, man
    durfte sich nicht aussuchen, was man einpflanzen wollte. Ich
    wollte aus diesem Garten ein russisches Paradies machen, d.h.
    Gänseblümchen und Sonnenblumen statt Rhabarber. Ich wollte uns eine
    Katze und Hühner anschaffen, damit sie
    unter den Sonnenblumen Eier legen, so sieht nämlich ein russisches
    Paradies aus. Die Prüfungskommission der Kolonie besuchte uns jede
    Woche. Sie beschuldigten uns, die „spontane Vegetation“ zu begünstigen.
    Wegen dieser spontanen Vegetation mussten wir letzten Endes den
    Schrebergarten abgeben. Später fanden wir in
    einem kleinen Dorf in Brandenburg ein Haus mit Garten ohne
    Prüfungskommission, ein Fleckchen Erde, wo wir es nach alle Seiten
    spontan vegetieren lassen konnten. Wir pflanzten dort die Gänseblümchen
    und die Sonnenblumen ein, wir haben fünfzehn Hühner gekauft und es ist
    noch immer viel Platz übrig geblieben.
    
    Gerade eben habe ich im Garten meine letzte Einpflanzung hinter mich
    gebracht. 120 Tannenbäume - Fasertannen, Korktannen und Blau-Fichten,
    sie sind vorerst nur 20 Zentimeter groß, müssen aber in drei bis vier Jahren eine gute Größe haben. Die Idee kam von meinem Dorfnachbar Mathias. Er hatte
    im Fernsehen erfahren, dass durch die extreme Sommerhitze viele Tannen
    gestorben waren, so dass es in ein paar Jahren Engpässe bei den
    Weihnachtsbäumen geben könnte. Sofort kam er zu mir mit einer
    Geschäftsidee. Wladimir, wir werden reich! meinte er. Du hast ja viel
    Platz in deinem Garten, lass uns Weihnachtsbäume züchten. Mit einem
    Erdbohrer haben wir 120 Löcher gebohrt, gute Erde rein geschüttet und
    gut gegossen. Wenn Sie, liebe Leser, in vier bis fünf Jahren einen
    Weihnachtsbaum brauchen, sie wissen jetzt, wo sie einen finden.

Privat ein Russe beruflich ein deutscher Schriftsteller, bin ich die meiste Zeit unterwegs mit Lesungen und Vorträgen...