04.02.2026
Russendiskonews 02/26
Seit diese hinterhältige KI das Internet gekentert hat, bestehen meine Nachrichten hauptsächlich aus Glatteis, Krieg und Dschungelcamp. Nur selten wird über etwas Positives berichtet. Mal schwärmt die Tochter von Mick Jagger von seinen hervorragenden Opa-Qualitäten und mal werden seltene Wildkatzen in Sachsen-Anhalt gesichtet. Der Rest ist Apokalypse.
Ganz oben als Überschrift steht „diese Nachrichten wurden extra für Dich zusammengestellt, aufgrund Deiner früheren Aktivitäten und Einkäufe“. Wird mir also von KI die Schuld dafür geschoben, dass die alte Weltordnung wackelt? Ich habe mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun, abgesehen von den Wildkatzen vielleicht.
In der Tat hatte ich neulich ein Katzenklo gekauft, wir haben zwei Bengal-Katzen zuhause, die mehr als eine Toilette brauchen, dafür muss jetzt anscheinend Sachsen-Anhalt geradestehen. Mit dem Glatteis habe ich nichts zu tun, das ist der Willkür der Natur geschuldet und den Krieg hat ein anderer Wladimir angezettelt, es muss sich hierbei um eine Verwechslung handeln.
Dieses ständige Beweinen und Trauern über die alte Weltordnung wird in den deutschen Medien mit einem solchen tragischen Unterton betrieben, als ginge damit die ganze Welt unter, wobei die Erfahrung der Vergangenheit und der gesunde Menschenverstand zeigen, nach jeder alten Weltordnung kommt eine neue und die Blumen blühen wieder in Frühling. Natürlich wäre es angebracht, die alte Ordnung standesgemäß zu verabschieden. Sie hat uns gut und lange gedient, doch nichts ist für die Ewigkeit, man musste kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass diese alte Ordnung schon länger Atembeschwerden hatte.
Erstaunt über die Schnelligkeit des Untergangs sind vor allem deutsche und europäische Politiker, sie laufen nun dem amerikanischen Stand Up-Präsidenten bei seiner atemberaubenden „Reise nach Jerusalem“ hinterher, ohne zu merken, dass am Ende dieses Spiels nur ein Stuhl auf der Weltbühne bleiben soll, und der ist seiner. Auf die Idee, ihr eigenes Spiel zu entwickeln kommen sie nicht.
Die Zeit der alten Ordnung ist abgelaufen, die neue Zeit hat noch nicht begonnen. In dieser Kluft verwandelt sich die Welt vorübergehend in ein Jurassic Park ohne Regeln, mühsam geschaffene politische Institutionen werden außer Kraft gesetzt und etliche Präsidenten verwildern, sie verwandeln sich in gefährliche Bestien. Im Jurassic Park wird nämlich das Recht des Stärkeren ausgeübt, Tyrannosaurier springen herum und rauben, was sie unter die Krallen kriegen können: Staaten, Inseln, Ressourcen, seltene Erden, aber auch die gewöhnlichen, nicht seltenen Erden, sie nehmen alles, man gönnt sich ja sonst nichts.
Und so umschlingt jedes Tier sein „Gönnland“, der russische Präsident will die Ukraine haben, der chinesische will Taiwan, der amerikanische am besten die halbe Welt.
Nur Europa, eine pflanzenfressende Großmacht ohne Krallen, macht da nicht mit, es weiß nicht einmal, wo ihr „Gönnland“ liegt. Wo will es denn hin?
Also schauen die Europäer aus sicherer Entfernung zu, wie die Raubtiere untereinander die Welt in Einflusszonen aufteilen und sich in Scheindiplomatie üben. So versucht der amerikanische Präsident dem russischen Artgenossen mit einer gefakten Friedensverhandlungsschau zu helfen, das Nachbarland zu verdauen.
Diese vorgespielten „Friedensverhandlungen“ werden wohlbemerkt nicht von Diplomaten, sondern von Freunden und Verwandten der Weltherren geführt, von Menschen, die nichts zu entscheiden haben. Seitens der Amerikaner waren es in der Regel der Schwiegersohn des Präsidenten und sein Golfmitspieler, von der russischen Seite: der Ehemann der besten Freundin der Tochter des Präsidenten, ein gewisser Kyrill, den vorher keiner kannte. Offiziell haben diese Menschen keine Funktionen in den Regierungen ihrer Länder, es gibt zumindest von der russischen Seite keine Bestätigung dafür, dass der russische Oberbefehlshaber jemals diesen Kyrill tatsächlich beauftragt hat, irgendwelche Verhandlungen mit den USA zu führen. Er kann also zur Not immer sagen, er kenne ihn überhaupt nicht.
Die energetische Infrastruktur in der Ukraine ist zerstört, die Friedenspause war nur vorgespielt, damit die Russen wieder genug Raketen zusammen haben, um die ukrainische Bevölkerung weiter zu terrorisieren, also den Menschen dort das Leben zur Hölle zu machen.
Ohne gewünschte Ergebnisse. Die Ukrainer halten durch. Meine Freundin in Odessa lebt mit ihrer Familie unter ständigem Beschuss, aber verliert ihren Optimismus nicht, hey, man gewöhnt sich an alles. Sie haben eigene Stromerzeuger, Generatoren, Powerbanks, die ganze Ausrüstung der Apokalypse im Haus. Letzte Woche ging sie nach der Arbeit mit ihrer Tochter ins Kino, „Avatar“ gucken. Meine Odessiten konnten sich voll mit dem Volk der blauen Avatar- Menschen identifizieren, die auf der Leinwand gegen die Zerstörung ihres Heimatbaums kämpfen.
Der Film ist allerding über drei Stunden lang, zwei Mal mussten die Zuschauer in den Bunker wegen Raketenalarm. Die neuen Regeln sind so: Wenn während des Kinobesuchs die Sirenen heulen und die Bombardierung länger als 20 Minuten dauert, kann man den Film an einem anderen Tag zu Ende schauen. Die Karten verlieren nicht ihre Gültigkeit.