10.12.2025
Russendiskonews
Die Statistik hinkt in Russland hinterher, die meisten Daten und Zahlen werden geheim gehalten, die Anzahl der getöteten und verletzten Soldaten in dem bald vier Jahre andauernden Krieg ist geheim, die Summen, die für das sinnlose Töten verpulvert wurden, werden streng geheim gehalten.
Einige Zahlen sickern allerdings durch, sogar bei Militärs: die Anzahl der unerlaubten Entfernungen von der Truppe hatte sich letztes Jahr drastisch vervielfacht. Was hat das zu bedeuten? Die Kommandeure wollen ihre Statistik sauber halten und melden die Toten und Vermissten als „UE“ – unerlaubte Entfernung? Oder will der Staat auf diese Weise Geld sparen und keine Zahlungen an die Soldatenfamilien leisten? Für jeden Gefallenen soll es nämlich eine satte Entschädigung geben.
Oder sind es wirklich Desertiere? Wo sind sie dann alle hin, die Zahl pendelt seit Beginn des Jahres im fünfstelligen Bereich? Und wenn sie sich wirklich von der Front entfernt haben, haben sie ihre Waffen dabei?
Die Anzahl der Selbstmorde bei den orthodoxen Priestern ist gestiegen, hieß es auf einmal in den Nachrichten der Kirche. Was ist im Christentum die größere Sünde, Selbstmord zu begehen oder den Krieg zu verherrlichen? Das weiß ich nicht.
Beinahe ein Fünftel aller Buchhandlungen hat dieses Jahr in Russland zugemacht. Na gut, das mag ein allgemeiner Trend sein, die Buchhandlungen gehen überall auf der Welt pleite, besonders schnell passiert es an den Orten, wo man nur Propagandaliteratur verkauft.
Und weniger als ein Drittel der Bevölkerung empfindet „Dankbarkeit“ für die Veteranen dieses Krieges, zwei Drittel empfinden „Angst“.
Die Anstrengungen der Staatsmedien, die Verherrlichung der Veteranen als neue Elite des Landes, als Helden und Heimatverteidiger durchzusetzen, sind gescheitert. Den alle wissen, dass sie fürs Geld getötet haben und fürs Geld gestorben sind.
Nach wie vor gibt es in Russland viel Armut: Menschen, die in kaputten kleinen Wohnungen leben und von Monat zu Monat an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten leben. Menschen, die Mini-Kredite aufgenommen und das Geld verprasst haben, Menschen die sich noch nie einen Urlaub leisten konnten. Als die Kriegsanwerbung begann, beschloss ein Teil dieser Haushalte ihre Männer, Söhne oder Väter, dem Staat für den Krieg gegen teures Geld zu verkaufen. Die andere Hälfte beschloss, es nicht zu tun. Die ersten haben davon finanziell profitiert, selbst wenn sie ihre Männer verloren, haben sie mindestens die Wohnung renoviert, ein Auto gekauft, Kredite abbezahlt. Die andere Hälfte blieb arm und muss jetzt diese Kriegsgewinnler als neue Elite des Landes, als Helden achten und akzeptieren. Das tut sie nicht.