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Russendiskonews 02/26


Seit diese hinterhältige KI das Internet gekentert hat, bestehen meine Nachrichten hauptsächlich aus Glatteis, Krieg und Dschungelcamp. Nur selten wird über etwas Positives berichtet. Mal schwärmt die Tochter von Mick Jagger von seinen hervorragenden Opa-Qualitäten und mal werden seltene Wildkatzen in Sachsen-Anhalt gesichtet. Der Rest ist Apokalypse.

Ganz oben als Überschrift steht „diese Nachrichten wurden extra für Dich zusammengestellt, aufgrund Deiner früheren Aktivitäten und Einkäufe“. Wird mir also von KI die Schuld dafür geschoben, dass die alte Weltordnung wackelt? Ich habe mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun, abgesehen von den Wildkatzen vielleicht.

In der Tat hatte ich neulich ein Katzenklo gekauft, wir haben zwei Bengal-Katzen zuhause, die mehr als eine Toilette brauchen, dafür muss jetzt anscheinend Sachsen-Anhalt geradestehen. Mit dem Glatteis habe ich nichts zu tun, das ist der Willkür der Natur geschuldet und den Krieg hat ein anderer Wladimir angezettelt, es muss sich hierbei um eine Verwechslung handeln.

Dieses ständige Beweinen und Trauern über die alte Weltordnung wird in den deutschen Medien mit einem solchen tragischen Unterton betrieben, als ginge damit die ganze Welt unter, wobei die Erfahrung der Vergangenheit und der gesunde Menschenverstand zeigen, nach jeder alten Weltordnung kommt eine neue und die Blumen blühen wieder in Frühling. Natürlich wäre es angebracht, die alte Ordnung standesgemäß zu verabschieden. Sie hat uns gut und lange gedient, doch nichts ist für die Ewigkeit, man musste kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass diese alte Ordnung schon länger Atembeschwerden hatte.

Erstaunt über die Schnelligkeit des Untergangs sind vor allem deutsche und europäische Politiker, sie laufen nun dem amerikanischen Stand Up-Präsidenten bei seiner atemberaubenden „Reise nach Jerusalem“ hinterher, ohne zu merken, dass am Ende dieses Spiels nur ein Stuhl auf der Weltbühne bleiben soll, und der ist seiner. Auf die Idee, ihr eigenes Spiel zu entwickeln kommen sie nicht.

Die Zeit der alten Ordnung ist abgelaufen, die neue Zeit hat noch nicht begonnen. In dieser Kluft verwandelt sich die Welt vorübergehend in ein Jurassic Park ohne Regeln, mühsam geschaffene politische Institutionen werden außer Kraft gesetzt und etliche Präsidenten verwildern, sie verwandeln sich in gefährliche Bestien. Im Jurassic Park wird nämlich das Recht des Stärkeren ausgeübt, Tyrannosaurier springen herum und rauben, was sie unter die Krallen kriegen können: Staaten, Inseln, Ressourcen, seltene Erden, aber auch die gewöhnlichen, nicht seltenen Erden, sie nehmen alles, man gönnt sich ja sonst nichts.

Und so umschlingt jedes Tier sein „Gönnland“, der russische Präsident will die Ukraine haben, der chinesische will Taiwan, der amerikanische am besten die halbe Welt.

Nur Europa, eine pflanzenfressende Großmacht ohne Krallen, macht da nicht mit, es weiß nicht einmal, wo ihr „Gönnland“ liegt. Wo will es denn hin?

Also schauen die Europäer aus sicherer Entfernung zu, wie die Raubtiere untereinander die Welt in Einflusszonen aufteilen und sich in Scheindiplomatie üben. So versucht der amerikanische Präsident dem russischen Artgenossen mit einer gefakten Friedensverhandlungsschau zu helfen, das Nachbarland zu verdauen.

Diese vorgespielten „Friedensverhandlungen“ werden wohlbemerkt nicht von Diplomaten, sondern von Freunden und Verwandten der Weltherren geführt, von Menschen, die nichts zu entscheiden haben. Seitens der Amerikaner waren es in der Regel der Schwiegersohn des Präsidenten und sein Golfmitspieler, von der russischen Seite: der Ehemann der besten Freundin der Tochter des Präsidenten, ein gewisser Kyrill, den vorher keiner kannte. Offiziell haben diese Menschen keine Funktionen in den Regierungen ihrer Länder, es gibt zumindest von der russischen Seite keine Bestätigung dafür, dass der russische Oberbefehlshaber jemals diesen Kyrill tatsächlich beauftragt hat, irgendwelche Verhandlungen mit den USA zu führen. Er kann also zur Not immer sagen, er kenne ihn überhaupt nicht.

Die energetische Infrastruktur in der Ukraine ist zerstört, die Friedenspause war nur vorgespielt, damit die Russen wieder genug Raketen zusammen haben, um die ukrainische Bevölkerung weiter zu terrorisieren, also den Menschen dort das Leben zur Hölle zu machen.

Ohne gewünschte Ergebnisse. Die Ukrainer halten durch. Meine Freundin in Odessa lebt mit ihrer Familie unter ständigem Beschuss, aber verliert ihren Optimismus nicht, hey, man gewöhnt sich an alles. Sie haben eigene Stromerzeuger, Generatoren, Powerbanks, die ganze Ausrüstung der Apokalypse im Haus. Letzte Woche ging sie nach der Arbeit mit ihrer Tochter ins Kino, „Avatar“ gucken. Meine Odessiten konnten sich voll mit dem Volk der blauen Avatar- Menschen identifizieren, die auf der Leinwand gegen die Zerstörung ihres Heimatbaums kämpfen.

Der Film ist allerding über drei Stunden lang, zwei Mal mussten die Zuschauer in den Bunker wegen Raketenalarm. Die neuen Regeln sind so: Wenn während des Kinobesuchs die Sirenen heulen und die Bombardierung länger als 20 Minuten dauert, kann man den Film an einem anderen Tag zu Ende schauen. Die Karten verlieren nicht ihre Gültigkeit.


Das Jahr hat erschreckend turbulent begonnen, wie eine neue Staffel von Game of Thrones: Kriege, Morde und Intrigen, Machtkämpfe, wie wir sie schon lange nicht gesehen haben, deutsche Soldaten auf Grönland, Inder in der russischen Armee, unkonventionelle Kriegsführung, Elefanten gegen Eisbären? Alles scheint möglich.

Was allerdings unsere realexistierenden Machthaber von den Fantasy-Königen unterscheidet, ist ihre sture Unfähigkeit, die Realität anzuerkennen. Beide Präsidenten, der russische Autokrat und der Weltmächtige Amerikaner scheinen psychologische Schutzmechanismen entwickelt zu haben, die ihnen zur Verdrängung der Realität dienen.

Der Kriegsführer in Kreml, der bereits Ende des letzten Jahres in eine merkwürdige Fantasieuniform geschlüpft war, zog sie nun aus. In seinem ersten öffentlichen Auftritt des Jahres redete er mit europäischen Diplomaten und gab Europa die Schuld an seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Diplomaten haben ihm nicht widersprochen, nur diplomatisch genickt. Die Militärexperten sind sich einig, Russland hat den seit vier Jahren andauernder Krieg verloren.
Die Offensive 2025 ist wie die in den Jahren davor gescheitert, die russische Armee hat es trotz ihrer Überlegenheit in der Luft und ihrer Bereitschaft, große Verluste auf dem Boden hinzunehmen, nicht geschafft, den Vormarsch im Osten der Ukraine zu beschleunigen, ihre Eroberungen sind bescheiden und bleiben bei 1% des ukrainischen Staatsgebiets. Die Umzingelung der ukrainischen Armee im Donbass ist Wunschdenken geblieben, die Geschwindigkeit des Vorankommens der russischen Armee ist dieselbe wie im Jahr davor, der Preis dafür hat sich jedoch erhöht: 100 Soldaten pro Quadratkilometer.

Das Regimewechsel in Kiew fand nicht statt, die Unterstützung der Ukraine seitens Europas hält stand.
Die Frage ist, wie kommt der russische Machthaber aus dem verlorenen Krieg, ohne sein Gesicht zu verlieren? Was kann er seiner Bevölkerung als Gewinn präsentieren? Zerbombte Wohnhäuser und Strommasten? Die nahliegende Antwort ist, um weiter erfolgreich seinen Krieg zu führen, braucht er einen anderen schwächeren Gegner, zum Beispiel die EU. An dieser hybriden Front hat der russische Präsident mehr Erfolgschancen als in der Ukraine. Europa ist zerstritten und nicht gewöhnt, sich selbst ohne amerikanische Unterstützung um die eigene Sicherheit zu kümmern.
Obwohl dieses Jahr keine großen Wahlen in England, Frankreich und Deutschland anstehen, leben die Koalitionsregierungen des Kontinents in einer Art Ohnmacht, mit dem Gefühl einer drohenden zukünftigen Niederlage, das auf die Bevölkerung überschwappt und als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung funktioniert. Denn mit der EU ist es ähnlich, wie mit Gott. Sie existiert solange wie die Menschen daran glauben. Wenn der Glaube schwindet, schwindet auch die EU. Und niemand ist da, um Hilfe zu leisten, die Amerikaner tun so, als würden sie uns gar nicht kennen.

Momentan bereitet der amerikanische Machthaber den Europäern sogar mehr Kopfschmerzen als sein russischer Kollege, mit altersbedingter Schamlosigkeit entwickelte er eine manische Besessenheit für die größte Insel der Welt. Er kann der Anziehung Grönlands nicht widerstehen, wie ein Kind, das nie ein Eis essen durfte, möchte er nun, siebzig Jahre später unbedingt den größten Eiswürfel der Welt haben, egal was es kostet. Die Gründe dafür werden immer wieder frei erfunden.

Mal ist es die angeblich fehlende amerikanische militärische Präsenz in der Arktis, mal das Lieblingsthema des Amerikaners, die Bodenschätze. Doch weder das eine noch das andere kann dieses Drängen erklären. Militärische Präsenz kann den Amerikanern im Rahmen des NATO-Bündnisses jederzeit gegönnt werden und die Vorkommen auf Grönland gab es schon immer, die großen Konzerne hätten sie schon längst geholt, wenn der Preis für die Beförderung dieser Vorkommen nicht so hoch wäre. Zurzeit
übersteigt er um das Dreifache den Marktwert dieser Vorkommen.

Dasselbe gilt übrigens für das Öl in Venezuela, vor den Sanktionen haben mehrere unter anderem auch amerikanischen Konzerne versucht, mit dem teuren venezolanischen Öl reich zu werden, es gelang ihnen nicht. Von den seltenen ukrainischen Erden ganz zu schweigen. Nun hat Grönland alle Chancen, zum Zankapfel zwischen der EU und Amerika zu werden, nicht umsonst reagierte der Bundeskanzler umgehend und schickte eine Einheit der deutschen Bundeswehr auf die Insel, immerhin 13 Soldaten und nur für zwei Tage als symbolischer Ausdruck für die Bereitschaft, Dänemark im Streit zu unterstützen.

Hoffentlich hatten diese Soldaten genug warme Sachen mit. Es lässt sich für mich schwer einschätzen, wie gefährlich diese Mission auf Grönland war. Ein paar Freunde, die in der Nähe des Polarkreises gedient haben, sagten, ist halb so schlimm, man soll auf jeden Fall im Norden nach den Gesetzen des Nordens handeln und sie akzeptieren.
Die Eisbären zu streicheln und im Freien zu pinkeln sind zum Beispiel zwei Tabus, aber das weiß die Bundeswehr sicher auch. Trotz des ganzen Zirkus bleibt uns die Hoffnung, dass 2026 ein Jahr des Friedens werden könnte. Für Menschen und für Eisbären.


Meine erste West-Lesereise in Januar ist zu Ende gegangen, es war unsäglich schön, so viele

tolle Menschen zu sehen. Tausende kamen, wir haben zusammen gelacht und überlegt, wie geht es mit uns weiter. Ich bin sicher, die beiden dämlichen Präsidenten, der rote amerikanische Clown und der russische Botox-Offizier werden wir überleben.  Die Vernunft, des Herzens größte Freundin wird die Oberhand bekommen, zusammen sind wir stark. In einer Woche gehe ich nun frohen Mutes auf meine Ost-Lesereise:  

21.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Arnstadt, Theater im Schlossgarten

22.01.2026 19:30 Uhr

Die Kaminer Show 2026

Gotha, Kulturhaus

23.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Wernigerode, Konzerthaus Liebfrauen

28.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Halle/ Saale, Steintor-Variete

31.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Wurzen, Kulturhaus Schweizergarten

01.02.2026 18:00 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Coswig, Börse

02.02.2026 20:00 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Berlin, Bar jeder Vernunft

Das Foto ist von Heike Haimerl


Russendiskonews Januar 2026 ( Aus dem Zug Stuttgart- Bielefeld)


Laut der Pseudowissenschaft Numerologie ist die Zahl 21 eine besondere Zahl, sie symbolisiert die Vollendung, die Reife und den Neuanfang. Die 21 ist der höchste Gewinn bei Blackjack. Für mich war die Zahl 21 die Zahl der Zukunft. Das XXI-Jahrhundert sollte zum Black Jack-Gewinn der Menschheit werden. Alle bedeutenden Science-Fiction Romane und Filme meiner Jugend spielten darin.

Das Jahrhundert XXI war voller Wunder und Versprechungen: die fliegenden Autos, die menschliche Siedlungen auf dem Mond und auf anderen Planeten, eine kommunistische Weltregierung, die alle Sorgen und Nöte der Erdbevölkerung weise und vorausschauend managt. Krebs ist besiegt, Geld abgeschafft, Kommunismus aufgebaut. Es ging steil nach oben.

Mit Zuversicht und Hoffnung schritten wir auf diesem Weg voran, drehten uns kurz um und erschraken, schon ist ein Viertel der Zukunft vorbei.

Die Autos fliegen nicht, der Mond und die anderen Planeten nach wie vor menschenleer, Krebs ist nicht besiegt, statt Kommunismus Mindestlohn. Und die frischgezapfte Weltregierung lässt grüßen, sie besteht aus Schurken und Idioten ohne jegliche soziale Verantwortung. Es scheint, als hätte die Menschheit eine neue Sportart für sich entdeckt, den Rückwärtssprung.

Die Welt wird von so genannten „Präsidenten“ gemanagt, es sind ehemalige Immobilienmakler, Sicherheitsoffiziere, Busfahrer, Schauspieler, die sich alle nicht mögen und permanent um sich greifen. Mit solchen Nachrichten starten wir ins Neues Jahr: Der amerikanische Präsident hat den venezolanischen Präsidenten entführt, der ukrainische sagte daraufhin, jetzt soll der Amerikaner am besten noch den russischen mitnehmen. Daraufhin drohte der Chef des russischen Sicherheitsrates, den deutschen Bundeskanzler nach Moskau abzuschleppen. Die Empörung in Deutschland hielt sich in Grenzen. Wenn der Bedarf da ist, man kann ja über alles reden..

Sicher wären die meisten Russen überglücklich, wenn ihr „Präsident“ plötzlich verschwinden würde. Doch davon können sie nur träumen.

In den letzten Tagen des Jahres wurde die Bevölkerung der russischen Föderation mit der Erscheinung ihres Machthabers, im Volksmund „Opa“ genannt, im Fernsehen großzügig beschenkt. Der „Opa“ lief auf allen Kanälen gleichzeitig, er saß beim Frühstuck wie immer mit seinem Lieblingsquark, er wünschte dem Volk alles Gute für das neue Jahr, er prahlte mit Erfolgen, er traf sich mit seinen Ministern, mit Generälen und mit Unternehmern. Der Opa strahlte wie eine Goldmünze. Es ging ihm blendend, er war kurz davor, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen und den Westen in die Schränke zu weisen. Seine Botschaft war unmissverständlich: wir brauchen keine Verhandlungen, wir brauchen keine Verbündeten, wir sind das stärkste Land der Welt, alles geschafft aus eigener Kraft, alle sollen Angst vor uns haben.

Auffallend bei diesen Auftritten war, dass alle seine Gesprächspartner ziemlich verbitterte Mienen hatten, missmutig und mürrisch dreinblickten. Anscheinend freute sich der Oberbefehlshaber allein. Die Wirtschaftsleute und die Minister sahen übermüdet und platt aus, die Generäle bemühten sich, dem Opa nicht in die Augen zu blicken.

Für viele in Russland brachte das vergangene Jahr eine große Enttäuschung. Die ununterbrochenen Friedenverhandlungen suggerierten der Bevölkerung Hoffnung, sehr bald sei es mit dem Krieg vorbei. Der Opa verhandelt geschickt, er will bloß verbesserte Bedingungen aus der gegnerischen Seite rauspressen. Laut allen Umfragen zeigte sich die absolute Mehrheit der Bürger mit dem Abzug der Armee aus dem Nachbarland einverstanden. Die Minister schwiegen laut über das von Militärausgaben gebeutete Staatsbudget, die Vertreter der sanktionierten Wirtschaft gestikulierten, das Land könnte unter Umständen noch ein weiteres Jahr des Krieges nicht stemmen. Und die Generäle? Sie wurden Geisel ihrer eigenen optimistischen Berichterstattung. Aus nachvollziehbaren Gründen übermittelten sie dem Opa nur good news, sie erzählten ihm von den großartigen Eroberungen und machten ihm falsche Hoffnungen: sehr bald, eigentlich jetzt, aber spätestens übermorgen würden die Ukrainer kapitulieren.

Diese Infos haben den Opa nicht gerade zu Friedenverhandlungen animiert. Ganz im Gegenteil, seine Erwartungen an die Generäle waren gestiegen. Warum stehen bleiben, wenn es so prächtig läuft? Er wünscht sich nun größere Städte zu erobern, er will Odessa und Charkiw, er will nach Kiew marschieren, obwohl ein Blick auf die Karte reicht, um festzustellen, wo sich die russischen Erfolge befinden.

Nach vier Jahren Krieg und 200 000 toten Soldaten steht die russische Armee gerade mal vierzig Kilometer von der ursprünglichen Grenze der russischen Föderation in den Eisboden Ukraines eingefroren. Die Bäume sind kahl, ohne Blätter keine Truppenbewegungen möglich, wegen Drohnen. Der Krieg ist bis Ende März gestorben. Aber niemand im Kreml traut sich, dem Opa diese Wahrheit zu sagen.

Die Uhr tickt, die Säure des Krieges zersetzt langsam, aber unaufhaltsam den russischen Alltag, die Repressalien werden ausgeweitet, das mobile Internet wird flächendeckend im Land abgeschaltet, die neuen Steuersätze sollen das frische Geld aus den Taschen der Bürger in die Kriegskasse spülen, die Rekrutierung der neuen Soldaten muss irgendwie beschleunigt werden. Wie ein hungriger Trüffelschein sucht der Staat unermüdlich bei den Bürgern nach Geld und Menschen, die Waffen tragen können, er tut alles, um den Opa nicht zu enttäuschen. Als würden die Staatsdiener mehr Angst vor dem Zorn des Chefs als vor dem Untergang ihres Landes haben.

Die zarte Balance des russischen Lebens wird in dem neuen Jahr auf eine harte Probe gestellt, die Wünsche des Chefs stehen den Wünschen des Landes gegenüber. Eine gefährliche Frühstucksituation.


Möge das neue Jahr nachsichtig und milde zu uns sein. Sollen die Menschen die Waffen ruhen lassen und sich der Kultur und der Wissenschaft hingeben. Nur die Symbiose der Kultur und der Wissenschaft kann Homo zum sapiens verhelfen. Mit diesem Wunsch gesegnet, gehe ich ins neue Jahr:

    02. Januar 2026 Köln – Gloria | 19:00 Uhr

04. Januar 2026 Frankfurt – Batschkapp | 19:00 Uhr

05. Januar 2026 Oberhausen – Ebertbad | 20:00 Uhr

08. Januar 2026 Tübingen – LTT | 19:30 Uhr

09. Januar 2026 Karlsruhe – Tollhaus | 19:00 Uhr

10. Januar 2026 Stuttgart – Theaterhaus | 19:00 Uhr

11. Januar 2026 Bielefeld – Lokschuppen | 18:00 Uhr


„Einmal fragte ich in meinem Freundeskreis, was eigentlich der Sinn und Zweck dieses Festes ist? Was sie den ganzen Abend machen außer Enteessen? Der Sinn und Zweck des Festes sei es, einander zu beschenken, die Geschenke auszupacken und damit anzugeben, klärte mich mein Freund Markus auf.  Wir sind eine fünfköpfige Familie und geben uns Mühe, dass zu Weihnachten jeder mindestens zehn gut verpackte Geschenke bekommt. Dann dauert allein das Auspacken schon den halben Tag, erzählte er. Dabei wird versucht, für jeden  überraschende  Geschenke zu wählen, die er nicht unbedingt braucht. Auf diese Weise sind die Familienmitglieder den Rest der Zeit damit beschäftigt, Geschenke, die sie nicht brauchen gegen andere Geschenke  zu tauschen, von deren sie glauben, dass sie mehr damit anfangen können. Woher die Geschenke nehmen?“ 

Das und vieles mehr steht in meinem Buch „Schöne Bescherung“ – das beste Weihnachtsgeschenk.


Russendiskonews:

Weihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung und des Friedens, doch die Gewissheit ist da, allein des Weihnachten wegen will die russische Führung den Angriff auf die Ukraine nicht stoppen.

Trotz aller diplomatischen Anstrengungen des amerikanischen Schwiegersohns und anderer Golfspieler, mit beiden Seiten eine Feuerpause zu vereinbaren, sie am Kragen zu packen und für weitere „Verhandlungen“ aus den zugefrorenen Schützengräben in einen warmen Konferenzraum zu setzen, diese Anstrengungen haben nicht gefruchtet.

Die ganze Welt schaut mit Unverständnis und Kopfschütteln zu, wie das größte Land der Welt sich in einem sinnlosen Kräftemessen in der Ostukraine ruiniert. Nächstes Jahr geht auch diesem Krieg die Puste aus, ein weiteres Jahr in dieser Intensität wird die Wirtschaft Russlands nicht ohne schwerwiegende Folgen mittragen können. Der substanzielle Schaden an Menschen und Material ist zu groß, die Schlacht zu teuer, die Unterstützung für den Krieg in der Bevölkerung zu gering. Die knifflige Frage ist, gibt es für das Regime ein Leben nach dem Feuerkrieg? Und wenn ja, wie sieht dieses Leben aus?

Die einzige glaubhafte Fortsetzung scheint ein anderer Krieg, eine dauerhafte Auseinandersetzung mit dem Westen, die nicht mit großkalibrigen Waffen geführt werden soll. Hier in Europa scheint diese Botschaft langsam mit großer Verspätung anzukommen.

Pünktlich zur Weihnachtszeit veröffentlichte der Verfassungsschutz den Bericht über mutmaßliche russische Aktivitäten in Deutschland, es geht um Sabotage, Hackerangriffe, Versuche die radikalen Parteien zu infiltrieren, um den innenpolitischen Diskurs zu torpedieren. Der Bericht umfasst nur einen kleinen Teil der Ereignisse aus dem letzten Jahr und beantwortet die Frage kaum, was das Ganze soll und was man dagegen tun kann. Es wird erst einmal gründlich „ausgewertet“. Vielleicht wollten die Russen nur spielen, ein wenig angeben?

Diese Art der Auseinandersetzung mit dem Westen scheint die einzig mögliche Strategie des Regimes zu sein. Sie kann sich im Grunde immer weiter hinziehen, ohne großer Anstrengung von der Bevölkerung zu verlangen und ohne bemerkenswerte wirtschaftliche Belastung.

Europa, Deutschland ist auf eine solche Auseinandersetzung nicht vorbereitet und kann sich militärisch dagegen nicht wehren. Auch auf diplomatischem Weg ist eine Zurechtweisung des Angreifers äußerst schwierig, zumal die Angriffe im Verborgenem vorbereitet und oft „outgesourt“ werden, an heimische Kriminelle oder willige Sympathisanten, die sich gerne zur einem „Besuch der russischen Botschaft“ einladen lassen.

Eine solche Kampfhandlung ist keine russische Erfindung, vor vielen Jahrhunderten, als es noch keine Drohnen und kein Internet gab, wurden darüber bereits Traktate verfasst. In alten indischen Büchern wird diese Taktik als „Kampf der tausend Kratzer“ beschrieben.

Es ging damals um die Elefantenjagd. Ein Elefant ist ein großes und gefährliches Tier. Man kann ihn nicht mit einem Speer oder Pfeil erlegen. Und so begleiteten die Jäger ihre Beute über Tage und manchmal Wochen und machten ihm mit allen Mitteln das Leben schwer, bis er irgendwann wie von allein zu Boden ging.

Den Kampf der tausend Kratzer führen im Übrigen auch die Ukrainer seit Beginn der Annexion im russischen Hinterland und das mit Erfolg. Dabei werden die Telefonbetrüger und Hacker für terroristischen Aktivitäten angeworben, LKW-Fahrer, Schüler und Rentner werden manipuliert. Die letzte solche Aktion überraschte mich sehr.

Die Führung der autonomen Republik Baschkortostan (bis 1992 Baschkirien genannt) bekam aus Moskau eine Anweisung, „Den Tag der im Krieg gefallenen Baschkiren“ durchzuführen. In jedem Kindergarten und in jeder Schule sollten die Kinder über das Schicksal der 8000 an der ukrainischen Front getöteten Baschkiren informiert werden, eine Trauerfeier organisieren und einen Bericht darüber ins Internet stellen. Die Beamten vor Ort haben sich zuerst ein wenig gewundert, das Militär hält eigentlich die Verslustzahlen seit Beginn des Krieges unter Verschluss. Niemand soll wissen, wie viele Menschen mit ihrem Leben für den Ausrutschkrieg des Kremls bezahlt haben, und die 8000 Gefallenen sind für kompaktes Baschkortostan eine sehr große Zahl.

In vielen Kindergärten wurde die Trauerfeier durchgeführt, Befehl ist Befehl. Wenig später kam eine böse Reaktion aus Moskau, eine solche Anweisung habe es nie gegeben, die Verbindungen zwischen baschkirischer Administration und Zentrum seien gehackt und die Anweisung sehr glaubwürdig als offizielles Papier verschickt worden. Es wird immer seltsamischer und seltsamischer, wie Alice im Wunderland zu sagen pflegte.


Russendiskonews

 Die Statistik hinkt in Russland hinterher, die meisten Daten und Zahlen werden geheim gehalten, die Anzahl der getöteten und verletzten Soldaten in dem bald vier Jahre andauernden Krieg ist geheim, die Summen, die für das sinnlose Töten verpulvert wurden, werden streng geheim gehalten.

Einige Zahlen sickern allerdings durch, sogar bei Militärs:  die Anzahl der unerlaubten Entfernungen von der Truppe hatte sich letztes Jahr drastisch vervielfacht. Was hat das zu bedeuten? Die Kommandeure wollen ihre Statistik sauber halten und melden die Toten und Vermissten als „UE“ – unerlaubte Entfernung? Oder will der Staat auf diese Weise Geld sparen und keine Zahlungen an die Soldatenfamilien leisten? Für jeden Gefallenen soll es nämlich eine satte Entschädigung geben.

Oder sind es wirklich Desertiere? Wo sind sie dann alle hin, die Zahl pendelt seit Beginn des Jahres im fünfstelligen Bereich? Und wenn sie sich wirklich von der Front entfernt haben, haben sie ihre Waffen dabei?

Die Anzahl der Selbstmorde bei den orthodoxen Priestern ist gestiegen, hieß es auf einmal in den Nachrichten der Kirche. Was ist im Christentum die größere Sünde, Selbstmord zu begehen oder den Krieg zu verherrlichen? Das weiß ich nicht.

Beinahe ein Fünftel aller Buchhandlungen hat dieses Jahr in Russland zugemacht. Na gut, das mag ein allgemeiner Trend sein, die Buchhandlungen gehen überall auf der Welt pleite, besonders schnell passiert es an den Orten, wo man nur Propagandaliteratur verkauft.

Und weniger als ein Drittel der Bevölkerung empfindet „Dankbarkeit“ für  die Veteranen dieses Krieges, zwei Drittel empfinden „Angst“.

Die Anstrengungen der Staatsmedien, die Verherrlichung der Veteranen als neue Elite des Landes, als Helden und Heimatverteidiger durchzusetzen, sind gescheitert. Den alle wissen, dass sie fürs Geld getötet haben und fürs Geld gestorben sind.

Nach wie vor gibt es in Russland viel Armut:  Menschen, die in kaputten kleinen Wohnungen leben und von Monat zu Monat an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten leben. Menschen, die Mini-Kredite aufgenommen und das Geld verprasst haben, Menschen die sich noch nie einen Urlaub leisten konnten. Als die Kriegsanwerbung begann, beschloss ein Teil dieser Haushalte ihre Männer, Söhne oder Väter, dem Staat für den Krieg gegen teures Geld zu verkaufen. Die andere Hälfte beschloss, es nicht zu tun. Die ersten haben davon finanziell profitiert, selbst wenn sie ihre Männer verloren, haben sie mindestens die Wohnung renoviert, ein Auto gekauft, Kredite abbezahlt. Die andere Hälfte blieb arm und muss jetzt diese Kriegsgewinnler als neue Elite des Landes, als Helden achten und akzeptieren. Das tut sie nicht.


Es geht los:

11.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Potsdam, Waschhaus

12.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Merseburg, Ständehaus

13.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Chemnitz, Industriemuseum

17.12.2025 20:00 Uhr Schöne Bescherung! Kaminer`s Weihnachten München, Lustspielhaus

18.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Dessau, Anhaltisches Theater

19.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Pößneck, Schützenhaus

20.12.2025 19:30 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Lutherstadt Wittenberg, Phönix Theaterwelt

21.12.2025 14:00 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Berlin, Kabarett Distel

21.12.2025 18:00 Uhr Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachten Hennigsdorf, Stadtklubhaus


Eine großartige Nachricht erreichte uns letzte Woche, die achtzehnjährige Straßenmusikantin Diana alias Naoko und ihr Freund Alexander, Gitarrist der Band „Stopptime“, wurden nach einem Monat in U-Haft in der Polizeizelle St. Petersburgs überraschend freigelassen und seien, wie kundige Menschenhelfer schrieben, „in Sicherheit“, d.h. sie haben das Land verlassen. Sie waren verhaftet worden, weil sie unerlaubte Lieder von bereits aus dem Land geflüchteten  Musikern in der Öffentlichkeit gesungen hatten. Dem Staat war es diesmal nicht gelungen, wie üblich in solchen Fällen, ein Video mit ihren  Entschuldigungen zu veröffentlichen, eine patriotische Stellungnahme der beiden Musiker zum Krieg in der Ukraine oder Ähnliches aus den jungen Menschen zu prügeln. Aber eins ist dem Staat bestimmt gelungen, dachte ich, der Jugend Angst einzujagen. Singt noch jemand in der Öffentlichkeit?

Um die Jahreszeit ist es sowieso schwierig, draußen zu musizieren, viel zu kalt, die Finger frieren ein. Und niemand weiß, was man singen darf in diesem neuen Russland, man weiß nur, was man nicht darf. Die Verbotslisten werden von Tag zu Tag länger, sie werden wie am Fließband angefertigt und fleißig veröffentlicht. Die langen Listen mit verbotenen Büchern, verbotenen Songs, verbotenen Filmen und verbotenen Menschen, die man nicht erwähnen und nicht zitieren darf. Die Listen der erlaubten Menschen und Werke werden nicht veröffentlicht. Ist schon das meiste an Songs verboten oder noch erlaubt?

Im Winter spielen nur Verrückte auf der Straße. Eine Freundin schrieb aus Moskau, vor ihrem Wohnblock stand neulich ein Kind mit Brille und Gitarre und sang grottenschlecht: „Sie werden uns nicht faaangen/ Wir laufen weg/Weit von allen entfernt/ Alles wird einfach sein/ Die Nacht wird hereinbrechen/ Der Himmel wird über uns fallen/Sie werden uns nicht faangen“.

Der Junge sang das Lied von der Band TaTu von 2001, ein Lied, das älter war als er. Damals  waren es zwei Mädchen, die so taten als wären sie lesbisch. Sie küssten sich auf der Bühne. Und keiner wollte sie damals jagen, keiner wollte sie fangen. Die Luft roch nach Freiheit und alle dachten, es sei der normale Geruch der Welt. TaTu. Mir scheint, als wäre es gestern gewesen. Pass auf Dich auf, junger Mann.