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Russendiskonews April/II

Sauberkeit und Demokratie

Das Regime im Kreml hat viele Menschen aus dem Land herausgedrückt, Kulturschaffenden und Journalisten, Politaktivisten und Wissenschaftler, schließlich die Jugend, die aus Angst vor Mobilisierung ins Ausland geflüchtet war. Der Großteil der frisch ausgereisten bleibt patriotisch, sie wollen sich nicht als Migranten bezeichnen. Sie nennen sich „Relocants“, d.h. Menschen die gegen eigenen Willen umgesiedelt wurden und die Hoffnung hegen, irgendwann zurück nach Hause, nach Russland zu kommen. Sie leiden an Heimweh. Die meisten von ihnen sind aus großen russischen Städten nach Berlin gekommen, aus Moskau oder St. Petersburg. Sie vergleichen, und immer fällt bei dem Vergleich ihre neue Location durch. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, höre ich Beschwerden darüber, wie schmutzig Berlin ist.

Alles so schmutzig hier, trotz der Mülltrennung, sagen die Russen. Irgendwann platzte mir der Kragen. „Leute!“ warf ich ein, „bei auch werden Regimegegner auf der Straße umgebracht!“

„Ja, aber da wird sofort wieder sauber gemacht, und hier ist alles so schmutzig“, fangen sie ihr Lieblingslied von vorne an. Irgendwann sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, Demokratien sind schmutziger als Diktaturen. Der Traum von Sauberkeit wird in erster Linie in autoritären Regimen und Diktaturen gelebt. Wie oft hörte ich schon von Touristen, die gerade aus Nordkorea, Weißrussland oder aus Katar zurückgekehrt waren, wie sauber dort die Straßen sind. Keine Zigarettenstummel auf dem Boden, keine Graffitis, keine Obdachlosen.

Die sauberste, gut riechende Stadt, die ich auf meinen Lesereisen besuchte, war die usbekische Hauptstadt Taschkent. Ich wurde von der dortigen Universität eingeladen um vor den Germanisten zu sprechen, eine Woche vorher hatte sich der usbekische Machthaber in eine Ansprache geäußert, wie wichtig es für die jungen Usbeken sei, Fremdsprachen zu lernen „vor allem Englisch“ betonte der Machthaber und entfesselte dadurch eine Bildungskrise. Es war nämlich für Universitäten unklar, wie sie diesen Ausdruck deuten sollen. Was heißt „vor allem“? meinte der Chef „Ausschließlich“ oder war damit „unter anderem“ gemeint? Werden nun alle Germanistik- Fakultäten geschlossen oder umgekehrt subventioniert? Kurzum, niemand wusste ob meine Vorlesung nun stattfinden würde, ich hatte ein paar Tage frei und ging durch Taschkent, die sauberste Stadt der Welt, spazieren. Kaum Fußgänger, keine überfüllten Cafés, die Straßen glänzten und rochen buchstäblich nach Shampoo, ich hatte stets das Gefühl, ich müßte die Schuhe ausziehen und wunderte mich sehr, in diesem armen Land keine Bettler zu sehen, nirgends.

Nachts im Hotel konnte ich nicht schlafen, weil es so unheimlich still war. Ich ging auf den Balkon und sah, wie eine große Gruppe von in Tücher gewickelte Personen den Boden schrumpfte. Es waren, wie mir am nächsten Tag meine Dolmetscherin erklärte, Frauen, die ein administratives Vergehen sich hatten zu Schulden kommen lassen, falsch gekleidet in der Öffentlichkeit erschienen sind oder ihren Mann verärgert hatten. Sie mussten zur Strafe mit verdeckten Gesichtern, die Straße schrubben.

Zurück nach Berlin gekommen begrüßte ich die Kippen und Kaugummis auf der Straße, als wären sie meine besten Freunde.

Sind also Zigarettenstummel und Plastikbecher Zeichen einer demokratischen Gesellschaftsordnung?

Das nicht. Ich kann mir Demokratie auch ohne vorstellen. Doch es gibt sie, diese spezielle autoritäre Sauberkeit. Sie entsteht dort, wo es auf den Straßen kein Leben gibt. Leere, leuchtende Malls, perfekt geputzte Schaufenster, Balkone mit immer gleichen Blumen und ordentlich nebeneinander abgestellte Fahrzeuge, ebenfalls geputzt, so als hätte nie ein Mensch in ihnen gesessen. Keine überfüllten Cafés, keine Schlangen vor der Eisdiele, keine Straßenmusiker, keine Jugendlichen, die auf dem Bordstein sitzend laut Musik hören und selbstverständlich keine Obdachlosen. Da soll doch jeder denkende Mensch fragen, wo sind sie alle hin und ob er nicht der nächste sein wird, der diese Sauberkeit stört?

 Denn jeder Mensch macht Müll, jeder Mensch macht Lärm und nicht jeder fühlt sich der Ordnung verpflichtet. Das liegt in der Natur jedes Menschen. Die Stadt ist eine Ansammlung der Ungleichen, der Alten und den Jungen, Reichen und Armen, Lauten und Leisen. Dieser Text soll keine Lobeshymne für Müll sein, natürlich soll die öffentliche Sauberkeit unterstützt werden, allein schon um die Infektionsrisiken zu minimieren. Doch wenn sie in eine Stadt kommen, wo es kaum Menschen auf der Straße gibt und die Luft penetrant nach Putzmittel riecht, seien Sie auf der Hut.


Das Leid der anderen dringt uns ins Gehirn, dank einem uralten Instinkt entwickeln wir ein Gefühl der Verantwortung für etwas, worüber wir Bescheid wissen, über die ganzen unzähligen Kriege, über die Vollidioten an der Macht und über die Einführung der Todesstrafe in Israel.

Noch nie wussten die Menschen so viel und konnten so wenig, was zu Stresssituationen führt, die Menschen beginnen, ihre Artgenossen zu hassen, sie entwickeln ein tiefes Misstrauen zu den anderen und versuchen, sich vor den bösen Nachrichten zu schützen, sie reagieren auf Bad News mit Gleichgültigkeit, Langweile und mangelnder Empathie. Sie konzentrieren sich am liebsten auf das Leben der anderen: Vierfüßler, Vögel und Insekten.

 Doch auch die Beziehung zu ihnen ist nicht immer von emotionaler Nähe und gegenseitigem Vertrauen geprägt. Jedes Mal in Frühling verdrängen Vierfüßler, Vögel und Insekten die menschengemachten Kriege und Katastrophen aus den Nachrichten. Die nichtmenschlichen Lebewesen dominieren die Agenda: gestrandete Wale, sich verlaufende Wölfe und Eidechsen auf Baustellen.

Kaum erwärmten die ersten Sonnenstrahlen das winterliche Deutschland, strandete ein Wal an der Ostsee auf einer Sandbank, zehn Kilometer nördlich von Wismar. Er machte einen deprimierenden Eindruck. Vielleicht wollte der Wal nur einmal Wismar sehen und dann sterben. Doch die Menschen wollten das Tier nicht in Ruhe lassen. Die Naturschützer hatten immer wieder versucht, den Wal zurück ins Wasser zu zerren, und wenn er wieder auf einer Sandbank festsaß, verlangten die Naturschützer von der Feuerwehr, ihn mit Ostsee-Wasser zu besprengen.

Die Passanten ruderten in kleinen Boten zum Wal, sie wollten mit ihm ein Selfie machen, besonders freche Passanten wollten gar vom sterbenden Wal verschluckt werden, um aus dem Inneren des Wals ihre Instagram-Accounts mit neuen Reels zu füttern. Die Regierung wollte den Wal absperren, damit ihm keiner zu nahe kommt und flutete die Medien mit Nachrichten über den Gesundheitszustand des Wals: „Der Zustand des Wals habe sich in der Nacht von Freitag zu Sonnabend nicht verändert,“ teilte ein Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern am Morgen mit. Eine Woche lang überschattete das Wal-Drama von der Ostsee in den Nachrichten alle anderen Ereignisse: den Krieg in Iran, die hohen Spritpreise und die Kopfschmerzen von Tom Kaulitz.

Dann wurde eine Frau in der Hamburger Einkaufspassage direkt vor der Kaufhalle von einem Wolf gebissen. Die bösen Wölfe, die regelmäßig jedes Jahr irgendwo auftauchten waren schon immer die große Sorge der Republik. Hier und da meldeten sich besorgte Bürger und berichteten über Wölfe, die den Menschen zu nahegekommen und ihnen bedrohlich vorkamen, aber soweit waren die Wölfe bisher noch gar nicht vorgedrungen, bis zur Kaufhalle in einer Hamburger Einkaufspassage, ein Schock!

Ich konnte wiederum das Verhalten des Tiers gut nachvollziehen, ein Wolf geht in die Einkaufpassage bleibt vor der Kaufhalle sitzen, sieht vielleicht das Schild „Oster Aktion: Fünf Rotkäppchen zum halben Preis“ und springt natürlich darauf an. Eine Passantin geht wenig später nichts ahnend einkaufen und erkennt die Kassiererin nicht wieder. Haben die eine neue eingestellt? denkt die Passantin, wieso hat sie bloß so große Ohren? Und Zähne? Und schon war es um sie geschehen. Diese Rotkäppchen Aktion zu Ostern war eine pure Provokation.

In Berlin wurde zu gleicher Zeit der Bau eines verhassten Hochhauses in der Warschauer Straße gestoppt. Weder die Bürgerinitiativen  noch die hellgrüne Bezirksregierung konnten diesen Bau stoppen. Doch dann stellte sich heraus, dass das Hochhaus ab dem 50 Stockwerk einen Schatten auf den Sonnenplatz von Zauneidechsen wirft, und somit ihnen ihre Lebensgrundlage entzieht, denn Eidechsen brauchen als wechselwarme Reptilien unbedingt die Sonne, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Ohne Sonne können sich die Eidechsen nicht vermehren.

Die Eidechsen hatten sehr gute Anwälte und erwirkten einen Baustopp, vorübergehend. Mein Freund, ein Eidechsenforscher, bezeichnete dieses Strafverfahren als späte Rache der Dinosaurier an der Menschheit. Die Dinos waren vor uns da, wir haben ihnen den Platz zum Leben streitig gemacht, sie mussten sich tierisch verkleinern und wurden irgendwann mal zu Eidechsen. Nun schaffen sie es aber, uns den Wohnungsmangel zu bescheren, mindestens vorübergehend.  Das Haus darf so lange nicht weiter gebaut werden, bis die Bauherren eine Lösung für die Sonnenplätze der Eidechsen gefunden haben. Außerdem sollten sie laut Gerichtsbeschluss die Raupen des Nachtkerzenfalters einsammeln und in Sicherheit bringen. Das ist in meinen Augen eine schier unlösbare Aufgabe.  Die Raupen sind sehr klein, die Bauherren zu eingebildet und unsportlich.  Nicht einmal in hundert Jahren werden sie es schaffen, alle Raupen einzusammeln. Und sollten sie in hundert Jahren fertig damit sein, kommt schnell eine Eidechse vorbei und bringt ein paar neue Raupen mit.


Russendiskonews 30.03.


Der Frühling kann eine Verschärfung psychischer Belastungen mit sich bringen, sagt die KI. Und sie, als extrem überbelastete muss ja Bescheid wissen.

In Moskau wurde für zwei Wochen das Internet abgeschaltet, ein Schock! Die Fahrdienstvermittlungen, die Essenslieferanten, die Kartenzahlungen, mit einem Wort, die gesamte hochgelobte Dienstleistung der Moskauer war auf einmal tot. Die verzweifelten Parlamentarier schlugen auf einer außerordentlichen Sitzung vor, die längst vergessenen Telefonzellen wieder ins Leben zu rufen, aber diesmal mit Internet.

Die Moskauer waren am Rande des Nervenzusammenbruches, ein Leben ohne Internet, ist es überhaupt noch möglich? Vor allem beschäftigte die Bevölkerung die Frage, wer oder was eine solche Macht habe, den Internetschalter in der Hauptstadt einfach umzulegen, ohne einer Erklärung. Der Bürgermeister mutmaßte, es könnte um eine vorübergehende Drohnenabwehr gehen.

Diese Ausrede taugte jedoch nichts. Die ukrainischen Drohnen sind in Moskau keine Alltagserscheinung, im Frühling schafft es nur selten eine Drohne bis zur Mitte Moskaus. Und die Raketenabwehr hat solche Machtbefugnisse nicht, das Internet auszuschlaten. Selbst der Staatssicherheit FSB wäre eine solche Entscheidung nicht wirklich zuzutrauen.

Es muss also jemand mächtigerer sein als die Staatssicherheit, das Militär oder der Bürgermeister. In der russischen Hierarchie der Gewalt befindet sich nur der FSO, der Personenschutz des Präsidenten, der ihm persönlich unterstellt ist, in der Position, solch eine Entscheidung zu treffen. Inzwischen mehren sich die Gerüchte, dass das Internet vom Chef persönlich flachgelegt wurde.

Angeblich war er außerordentlich beunruhigt, mit welcher Attitüde und rasanten Geschwindigkeit die iranischen Ajatollahs in den Himmel, nach Dschanna, befördert wurden. Die Israelis gaben zu, die Videoüberwachung der Iraner bereits vor Jahren gehackt zu haben. Deswegen wussten sie angeblich in Realzeit, wann und welche Führungskraft des Landes sich wo befand.

Mit der Frage konfrontiert, ob eine solche Aktion auch in einem anderen Land möglich wäre, antwortete die israelische Sprecherin des Sicherheitsdienstes, möglich sei alles.

Die ganze Geschichte könnte eine Ente sein, zumal die Verbindung zwischen dem mobilen Internet und der Videoüberwachung nicht klar ist, aber verbeugen kann nicht schaden, dachte FSO.

Der russische Präsident benutzt nicht umsonst kein Internet und erzählt gerne, das Netz wurde damals von der CIA entwickelt, da muss irgendein Wurm drin sein. Die Bilder aus dem Iran hatten Wirkung. Es wurde beschlossen, den Präsidenten sicherheitshalber zu verstecken.

Seit Mitte März darf keiner wissen, wo er ist, er tritt im Fernsehen nur vom „Beige Raum“ aus auf, so nennen die Journalisten seine provisorischen Büros, die überall im Land, meistens unterirdisch, verteilt sind und alle gleich aussehen.

Als weiteren Schritt hat man im Land das Internet ausgeschaltet. In den Regionen haben die Menschen allerdings genug mit anderen Problemen zu tun. Sie hatten seit Beginn des Krieges schon öfter kein Netz. Nur für die Moskauer war das neu.

Und ab April soll in Russland der Telegram Messenger endgültig abgeschaltet werden. Mit hundert Millionen Nutzern ist es der einzige Volksmessenger, die Infoquelle und Kommunikation der Russen. Für den 29. März wurde online eine Protestdemo angekündigt. Es kam keiner.


 Aufruf zum Boykott


Einwohner Deutschlands! Die Ölkonzerne nutzen die brisante Situation mit vorübergehendem Hirnnebel der amerikanischen Führung, um sich die Taschen vollzufüllen. Die Bundesregierung kann ihre Bürger vor den Wucherpreisen für Sprit nicht schützen, also müssen wir selbst uns dagegen wehren. Boykottiert Shell!

Boykottiert sie so lange bis sie die Preise senken. Und wenn sie es tun, machen wir dasselbe mit Aral und weiter der Reihe nach.


Russendiskonews für März 2026/2


Meine neuen Katzen, zwei junge Bengalen, eine gelungene Mischung eines asiatischen Leoparden mit einer Hauskatze sind geborene Jäger. Doch es gab bis jetzt für sie in der Wohnung nicht viel zu jagen.

Gestern hatten sie endlich eine fette Frühlingsfliege gesehen, zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie sind beide erst in Herbst auf die Welt gekommen und wussten nicht, was in März in unserer Biotonne auf dem Hinterhof alles zum Leben erwacht.
Die Frühlingsfliege, fett und zielstrebig flog durch die
geöffnete Balkontür in die Küche rein und blamierte sich. Ich glaube, sie hat schnell verstanden, dass sie in die falsche Wohnung reingeflogen war, doch ein Rückzieher kam für sie nicht in Frage. Ich habe schon früher bemerkt, dass Menschen und Fliegen es sich mit dem Zugeben eigener Fehler äußerst schwer tun. Und meistens ist die Zeit schnell verstrichen und für einen Rückzieher zu spät. Bei uns in der Küche könnte die Fliege noch den Rückwärtsgang einlegen. Stattdessen ging sie in die Höhe und gab Gas, sie wollte ihre Überlegenheit von oben aus nutzen, die Höhe kontrollieren, „High Ground“ fundamentales Prinzip der
militärischen Strategie. Es hat ihr nichts gebracht.

Die Bengalen können inzwischen sekundenschnell vom Boden zum Kühlschrank und von dort aus zur Decke springen. Die Fliege hatte ein paar Kreise gemacht, nach zehn Minuten kam das aus für sie.

Auch Menschen tun sich schwer damit, eigene Fehler einzugestehen,
besonders wenn sie alt und Präsidenten sind, die Kriege entfesseln.

Letzte Woche bin ich viel durch Deutschland gereist zwischen Jena und Bamberg, immer wieder stand ich im Stau wegen einer
Protestdemobstration.
In der Regel waren es ältere Menschen, die für den
Frieden und gegen den Krieg demonstrierten, sie kamen langsam voran, mit Glöckchen, Pfeifen und Polizeischutz, obwohl die Wahrscheinlichkeit auf eine Gegendemo für den Krieg und gegen den Frieden zu stoßen äußerst gering, aus meiner Sicht gar nicht vorhanden war. „Guck Dir diese Rentner an, sie haben viel Zeit und müssen sich nicht beeilen“ schimpfte der Taxifahrer neben mir, der sich beeilen wollte. „Geht lieber arbeiten!“ rief er den Demonstranten zu.

Ich zweifelte, ob das die richtige Lösung war. Es wird in Deutschland viel darüber geredet und einiges auch getan, um die Menschen im Rentneralter dazu zu bewegen, länger zu arbeiten, sie werden mit steuerlichen Vergünstigungen und Entlastungen bei den Sozialabgaben gelockt, auch die Psychologen meinen, die arbeitenden Rentner leben im Durchschnitt länger und erfüllter. Dabei hätten sie so viele tolle Dinge machen können, angeln, fernsehen, Yoga für Senioren… Woher diese Verbissenheit, die Angst vor dem Nichtstun?

Anstatt angeln zu gehen zetteln die arbeitenden Rentner, die als weltmachtführende Spitzenkräfte tätig sind, Kriege an und bedrohen unser zartes Zusammenleben auf dem Planeten. In Amerika und Russland sollten die Präsidenten schon vor
langer Zeit in Rente gegangen sein, stattdessen bleiben sie auf ihren Stühlen sitzen und zerstören den Frieden. Für sie mag es
lebensverlängernd sein, für viele andere ist es eher lebensverkürzend.

Die amerikanische Operation „Epische Wut“ so nennen sie die
Bombardierung des Iran, sollte zu einem Regimewechsel in Teheran führen, stattdessen ufert diese Wut episch aus und zieht immer mehr Länder in seine Bann. Bereits vor wenigen Monaten hatten die Amerikaner doch schon mit ihrer Operation „Mitternachtshammer“ die Atomanlagen der Iraner endgültig zerstört, zur großer Erleichterung der Welt. Der Präsident feierte den Sieg, er sagte laut, es sei „wunderbar gelaufen“ und Iran wäre nun bei der Urananreicherung „auf Jahrzehnte zurückgeworfen“.

Hat er damals etwa gelogen? Sein russischer Kollege erzählt auch permanent Märchen von seiner supererfolgreichen „Spezialoperation“ zur Eroberung der Ukraine, wobei ein Blick auf die Karte zeigt, die Frontlinie ist tot, eingefroren, jede Bewegung in der 20 Kilometer breiten „Killzone“ wird aus der Luft verhindert. Ich wage es hier zu behaupten, beide Präsidenten sind nicht blöd, auch wenn sie gerne so tun als ob. Sie wissen, dass sie mit ihren Kriegen in die falschen Wohnungen reingeflogen sind. Aber ein Rückzieher kommt für sie nicht infrage. Die Rentner geben nie auf, sie kämpfen bis zum bitteren Ende. Die epische Wut der Amerikaner und die „Spezialoperation“ der Russen zerbröseln
weiter, immer mehr Länder werden einbezogen, es wäre nicht
auszuschließen, dass die beiden Kriege sich irgendwann einmal treffen, im Persischen Golf, wo die Russen den Iran mit übrig gebliebenen Schiffen stützen, während die Ukraine mit ihrer hochentwickelten Drohnenabwehr den Amerikanern hilft. Die Zeche dafür zahlen in erste Linie wir, die zivile Bevölkerung.

Wir wissen inzwischen, wie man die Rentner animiert, länger zu arbeiten. Es wäre gut, auszuloten, wie man ihnen freundlich aber bestimmt die Arbeit ausredet. Es gibt so viele wunderbare Arten, sich die Zeit zu vertreiben: angeln, fernsehen, Yoga für Senioren, tralalaa.


Russendiskonews März 2026 (Zur Erinnerung)


In unsicheren Zeiten, wenn der Boden unter den Füßen wackelt, werden die Menschen besonders anfällig für merkwürdige Verschwörungstheorien, astrologische Prognosen, Wahrsagen und Kartenlegen.

Ich erinnere mich noch, als meine Heimat die Sowjetunion auseinanderfiel und die Menschen nicht mehr wussten, wo sie eigentlich sind und was sie tun sollen, hatten die Astrologen eine besonders hohe Konjunktur.

Im Fernsehen und im Radio traten Menschen auf, die sich „Extrasensen“ nannten, selbsternannte Hellseher und Wahrsager. Sie versprachen Heilung von jeder Krankheit und Befreiung vom Stress. Meine Oma hatte sich damals stets mit dem Rücken zum Fernseher gedreht, damit die Extrasensen sie von Rückenschmerzen befreien. Es hat ihr eine Weile geholfen.

Im Land, in dem die nötigsten Medikamente nicht mehr zu finden waren, wurden an jeder Ecke vielversprechende Heilmittel angeboten: „Hirschgeweihtinktur“ war groß in der Mode, die Bevölkerung schwor auf die lebensverlängerte Wirkung des Bibergeils. Eine ähnliche Entwicklung ist heute vielerorts zu beobachten.

Wir leben in Zeiten der verlorenen Kriege, und diese Kriege, in deren es nichts zu gewinnen gibt, sind besonders zäh, sie dauern an.

Die Abnormalität der Kriege frisst sich in den Alltag der Menschheit hinein, die Raketen töten im Nahen Osten, in der Ukraine, in Russland. In Deutschland wird Sprit teuer. Der Wirbel macht immer größere Kreise, die Menschheit hat Angst und keine gescheite Antwort, was tun? Kann man diese Spirale der Gewalt noch bremsen?

Zusätzlich erschwerend ist, dass wir uns seit zwei Wochen nach dem chinesischen Kalender im kritischen „Jahr des Feuerpferdes“ befinden. Das chinesische Feuerpferd hat schlechten Ruf, das Tier ist egoistisch, rücksichtslos und macht, was es will, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Das Feuerpferd kommt einmal in sechzig Jahren vor, das letzte Mal also 1966.

Meine Frau, die den Chinesen vertraut und deren Kalender ernst nimmt, warnte schon immer vor den Feuerpferden. Viele ihrer Freunde waren Jahrgang 1966 und leiden noch immer darunter. Ich bin der Meinung, man soll nicht nach dem Kalender das Jahr urteilen, sondern mehr dem eigenen Blick aus dem Fenster vertrauen. Manchmal lügen die Kalender.

Der neue Iran-Krieg hat den alten mit Leichen verstopften Russenkrieg in Schatten gestellt. Der Kremlbewohner, noch vor kurzem als die giftigste Kröte des Planeten gefürchtet, muss um Aufmerksamkeit buhlen. Im fünften Jahr des Krieges ohne sichtbare Gewinne geht er auf eigenes Volk los. Es wird düster in Russland. Die Menschen sind übervorsichtig geworden, sie reden nicht mit Fremden über Politik.

Wenn man jemanden in einer Bar kennenlernt, soll man ganz vorsichtig zuerst herausfinden, auf welcher Seite dein neuer Bekannter steht, was man in seiner Anwesenheit sagen darf und was besser nicht. Grundsätzlich gilt: Mit Unbekannten nicht über Politik, geschweige denn Krieg, reden. Eine Meinung zum Krieg zu haben kann lebensgefährlich sein, selbst wenn man nur die Narrative der Regierenden wiederholt.

Die Menschen wissen inzwischen, es gibt keine stabile Wahrheit, die Wahrheit ist jeden Tag eine andere. Die Polizisten dürfen neuerdings auf der Straße die Handys prüfen, deswegen haben die meisten in Moskau zwei Geräte, ein billiges für die Polizei und ein gutes zum Eigengebrauch. Der Krieg ist unsichtbar und allgegenwertig, er wird, wie ein Elefant im Porzellanladen behandelt, über den man nicht reden darf, obwohl man das kaputt gehende Porzellan hört und auf den Scherben stets ausrutscht.

Das Internet ist in Russland rar geworden und seine Nutzung nicht ungefährlich. Die VPN-Industrie blüht auf, doch selbst mit VPN funktioniert Navigation in den großen Städten nicht mehr. Die Menschen lernen ihre Umgebung analog kennen.

Die Zensur nimmt immer skurrilerer Züge an. Die Verlage beauftragen eine spezielle Zensur - KI, alle ihre Bücher nach verbotenen Inhalten zu prüfen, es wird nach bestimmten Schlüsselworten gesucht, zum Beispiel die verbotene „Geschlechtsumwandlung“ darf nicht erwähnt werden, dies kann als Unterstützung der extremistischen LGBT -Bewegung eingestuft werden.

Auf diese Weise wurde die Broschüre „Das geheime Leben der Schnecken“ auf Index gesetzt. Die meisten Landschnecken sind Zwitter, sie besitzen beide Geschlechter, was jeder Schnecke ermöglicht, sich mit jeder anderen Schnecke zu paaren, in Russland ist es verboten. Und die Zensur-KI kann Schnecken von Menschen nicht unterscheiden, bzw. es ist ihr egal.

Die Kinder werden durch patriotische Erziehung indoktriniert, die Schüler, die früher in der Arbeitskunde Stühle bauten, bauen heute Drohnen zusammen und Studenten mit schlechten Noten und nicht bestandenen Prüfungen werden von ihren Lehrern animiert, „akademischen Urlaub an der Front“ zu nehmen. In diesem Fall werden ihre Noten verbessert und die Prüfungen für bestanden erklärt.

Dem Regime gehen die Soldaten aus, die Mobilisierung bleibt tabu, es wird auf der Suche nach frischen Soldaten heftig an allen Ecken gekratzt. Gleichzeitig ist der Verkauf von Antidepressiva enorm gestiegen. Der verlorene Krieg lastet auf den Gemütern der Menschen. Der Oberbefehlshaber bleibt jedoch stur und ist von seinem Weg nicht abzubringen, er steuert mit sicherer Hand weiter in den Abgrund. Verlorene Kriege dauern an.


Meine erste Lesereise In März:

05.03. in Jena F-Haus

06.03. Saalfeld Meininger Hof

07.03.Altenburg Kulturhof

08.03. Augsburg Parktheater

09.03. Hallstadt Kulturboden

Alle willkommen!



Randnotiz zum s.g. „Frühlingsbeginn“


Sicher spielen in unserem Leben viele Faktoren mit, die zu verändern nicht in unserer Macht steht. Die Naturgewalten, die unser Handeln beeinflussen kennt jeder. Es sind die streikenden Lufthansa Piloten, chronisch verspäteten Züge der deutschen Bahn, die keine Überholspure haben und deswegen verbahnt sind, langsam hintereinander zu fahren, gefährlich schnell wachsende extremistische Parteien, steigende Wohnkosten, aggressive ausländische Regierungen, die berühmte deutsche „wirtschaftliche Flaute“, die wie Schimmel das Land in regelmäßigen Abständen befällt, die daran angepassten Diäten im Bundestag, der Rundfunkbeitrag, die Mobilfunklöcher und etliches mehr.

 All diese Naturgewalten sind mit menschlicher Hand nicht zu regeln, von daher wäre es eine reine Zeitverschwendung, darüber zu jammern. Warum man aber in einer zivilisierten fortschrittlichen Gesellschaft des XXI-Jahrhunderts permanent mit Frost, Schnee, Glatteis und Dauerregen leben musste, ist nicht rational zu erklären.

Allein der letzte Winter warf viele Fragen auf. Was sollte diese Kälte? Hier haben wir doch alle Hebel in der Hand.

Man könnte mit Diplomatie, mit einer neuen Verordnung, einer veränderten Gesetzgebung, im Notfall auch mit Verboten eine Normalität schaffen, die solche Winter außer Kraft setzt.

Stattdessen wurden wir mit einer beschämenden Gleichgültigkeit der Politik konfrontiert, die Macheliten taten so, als würden sie die Wetterverhältnisse überhaupt nicht angehen.

„Das Wetter bilde keine relevante Problemlage für politisches Handeln und sei unter Alltagsbewältigung zu verbuchen“ meinten die Volksvertreter. Die Bürger wurden also schon wieder mit Scheinbotschaften vertröstet: Man sollte Geduld haben und abwarten, irgendwann würden der Schnee und das Eis von allein tauen und verschwinden. Dabei ging es um Monate der verloreneren Lebenszeit von Millionen Menschen. Unzählige Stunden, die sie in den depressiven, schlecht beleuchteten und zum Teil gar nicht beheizten Räumen verbringen mussten, ohne einer Sonnenstunde am Tag, unter künstlicher Beleuchtung der LED- Lampen.

Der ganze Unfug wurde auch noch im öffentlichen Diskurs hinterhältig als so genanntes „Wetter“ abgetan, als fatalistischer schicksalergebener Gang der Jahreszeiten. Er wurde den sogenannten „Wetterfröschen“ (so heißen die Nachrichtensprecher bei Tagesthemen im Fernsehen) zum Fraß gegeben. Diese Wetterfrösche sollten die Botschaft verbreiten, man solle sich „mit dem Wetter engagieren“, sich den Wetterbedingungen anpassen. Kein guter Rat. Denn leider waren alle Versuche der Menschen mit diesem sogenannten „Wetter“ eine Übereinkunft zu schließen bis jetzt gescheitert, unabhängig von Jahreszeiten.

Das Wetter ist in den ganzen Jahren uns kein Zentimeter entgegengekommen, es schneit, es überhitzt uns, oder es macht uns nass. Mit Jahreszeitenwechsel hat es wenig zu tun.

Der Jahreszeitenwechsel ist eine veraltete Doktrin, ein „wishful thinking“, es wird Zeit sich davon zu verabschieden und es durch moderneres fortschrittlicheres Denken zu ersetzen. Wir brauchen einen lebensbejahenden menschenfreundlicheren Jahreszyklus, mit weniger Kälte, weniger Dürre, nicht zu trocken im Sommer und nicht so nass im Herbst. Die dafür zuständigen, ohne jetzt die Namen zu nennen, sollten sich dringend Gedanken darüber machen.

Während ein Teil der Menschheit unermüdlich neue Wege baut, neue Medikamente zur Bekämpfung der tödlichen Krankheiten entwickelt und ab und zu sogar zu den Sternen fliegt, schaut ein anderer Teil zu, wie es permanent regnet oder scheint.

Besonders unzumutbar ist die fatalistische Einstellung eines Teils der Bevölkerung zu dieser Problematik, zum Beispiel einiger Kulturschafenden, die sich von jedem „Wetter“ sofort animiert fühlen, romantische Versen über den so genannten Winter oder Frühling zu schreiben, so wie die Touristen, die trotz des Wetters sogar in Februar Berlin besuchen, von den joggenden Mitmenschen ganz zu schweigen, die zu jeder Jahreszeit, im Schnee und im Regen in nassen Schuhen und dürftigen Neoprenanzügen, Tag und Nacht den Straßenschleim kneten, als wollen sie ewig leben. Und noch einmal als Fazit: Die aktuell verbreitete Vorstellung, wir sollten uns dem Wetter anpassen, ist falsch. Warum soll man sich an etwas anpassen, das sich an Dich überhaupt nicht anpassen will.


Russendiskonews 02/02 2026

Trophäenkultur


Über kaum ein Land wurden in den letzten Jahren so viele politische Analysen wie über Russland angestellt. Wohin driftet das Land? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage ist gut versteckt im Kopf eines Mannes, der die absolute Macht im Land errungen hat und seine Untertanen sowie seine Feinde darüber gerne im Dunkeln lässt. Auch die schärfsten Politologen können in den Kopf eines Mannes nicht reinschauen.

Und selbst wenn sie diesen Kopf röntgen würden, wäre nicht ausgemacht, dass sie dort eine gescheite Antwort fänden. Wie in dem alten indischen Märchen, in dem vier Blinde einen Elefanten von allen Seiten betatschen, um herauszufinden, welche Form das Tier hat und zu äußerst unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wird Russland von den Denkfabriken in aller Welt analysiert, mit uneindeutigen Ergebnissen.

In einem sind sich die Experten einig, Russland hat sich vom demokratischen Entwicklungsweg verabschiedet und baut einen autoritären Staat auf, ohne Rücksicht auf die Bürgerrechte und ohne Austauschmöglichkeiten für das politische Personal. Ein Wechsel der Führung ist nicht vorgesehen.

Doch welche Art des autoritären Staates entsteht da, wie wird das gesuchte Modell genau aussehen? Da gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Die Auferstehung der Sowjetunion wäre in der heutigen wirtschaftlichen Situation nicht mehr machbar, das steile sozialistische Konstrukt mit Einparteiensystem, Politbüro und staatlicher Planwirtschaft würde heute wie ein Relikt aus der Steinzeit wirken.

Eine knochenharte Diktatur wie in Nordkorea, ein abgeschottetes Land mit ausgeschaltetem Internet, einer äußerst disziplinierten, nüchternen Bevölkerung und täglich emotional vorgetragenen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Führers würde im großen Russland zerbröseln. Viele Experten sind von daher der Meinung, der Zukunftstraum der russischen Führung sei die DDR. Und in der Tat spricht vieles dafür. Die DDR – ein Mehrparteiensystem, in dem alle Parteien in den Schlüsselfragen die gleiche Meinung vertreten und den gleichen Präsidenten mögen, zur Stärkung des Regimes harte, aber stichprobenartige Repressionen gegen ausgesuchte „Feinde des Volkes“ verwenden, alle Bevölkerungsschichten von Geburt an in möglichst viele Verbände, Vereinigungen und Institutionen einbinden und große Mengen von Akten über sie horten.

In der DDR sollte jeder Bürger idealerweise mindestens drei Akten haben: Eine Akte, die er selbst über sich führte, eine, die von seinen Familienangehörigen und Freunden vervollständigt werden müsste und eine offizielle, von der Staatssicherheit angelegte.

Letzten Endes waren alle Bürger erfasst und zwischen dem Hausbuch der DDR und der Konsumgenossenschaft eingeteilt, und das wohl bemerkt noch vor Erfindung des Internets.

Der russische Führer und etliche seiner Freunde haben die DDR gut in Erinnerung, ihre besten Jahre haben sie in diesem Land verbracht, an gut gewaschenen Tischen mit deutschen Genossen gepflegte Biere getrunken und Kuchen gegessen, und der war nicht schlecht in der DDR.

Vieles spricht für dieses Projekt, die DDR als bessere und etwas weniger kompakte Sowjetunion nachzubauen. Dagegen spricht jedoch die nach wie vor unklare Grenzsituation des neuen Russlands.

Die Verkleinerung der Sowjetunion vor 36 Jahren hat tiefe Spuren hinterlassen und mehrere spätere Kreuzzüge ins Leben gerufen, die den kolonialen Status Quo der Russen wieder herstellen sollten. Die Nachbarstaaten Kasachstan, Lettland, Estland, Litauen wurden permanent bedroht. Die Nachbarstaaten Moldau, Georgien, Ukraine wurden mit blutigen Schlachten überzogen. Die Grenzen der alten DDR waren von allen Seiten mit Panzerdivisionen und Mauern geschützt, die Grenzen der russischen Föderation schimmern im Kopf eines Mannes, und wie die Erfahrung zeigt, sie sind dehnbar.

Immer wieder kommen widersprüchlichen Ansagen zu diesem Problem. Es heißt, die russische Welt habe gar keine geografischen Grenzen, überall dort, wo Russen leben, seien auch russische Interessen zu verteidigen. Wir haben es also mit einem Land ohne Grenzen zu tun.

Als Folge dieser Politik der Grenzenlosigkeit entstehen rund um das Land hier und da die sogenannten NATs, „nicht anerkannte Territorien“: Transnistrien in der Republik Moldau, Südossetien und Abchasien in der Georgischen Republik, die Halbinsel Krim und die Luhansker und Donezker Volksrepubliken als frisch annektierte Gebiete in der Ukraine.

Den offiziellen Status dieser halberoberten halb zerbombten Gebiete weiß nicht einmal Russland selbst, ein Teil davon wurde offiziell zum russischen Staatsgebiet erklärt ein anderer aber nicht.

Da drin, in dieser Blutsuppe, die sich als Folge der russischen Kolonialkriege bildete, leben Millionen Menschen. Sie versuchen in einem rechtsfreien Raum über die Runden zu kommen und werden von der russischen Kriminalität angesteckt.

Der Drogen- und Waffenhandel wird in die rechtsfreien Zonen umgelagert, aber auch Telefonbetrug, der sich in Russland in den letzten Jahren überdimensional entwickelt hat. Sowie Menschenhandel und pikanterweise auch der Buchhandel.

So ist der neue Roman von Dan Brown „Das Geheimnis der Geheimnisse“ der offiziell in Russland gar nicht erscheinen darf, in der Donezker Volksrepublik im Piratenverlag „Trophäen Bücher“ erschienen. Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine haben viele ausländische Verlage und Autoren Russland verlassen. Aus Protest gegen die aggressive russische Kriegspolitik wollten die Kollegen ihre Werke in Russland nicht veröffentlichen, wegen Sanktionen sahen die Verlage für sich keine saubere Möglichkeit, die finanziellen Geschäfte mit russischen Partnern abzuwickeln. Das hat dem Handel keinen Abbruch getan. Der neue Bestseller von Dan Brown wurde wahrscheinlich von KI übersetzt, was nebenbei gesagt die Qualität des Werkes nicht im Geringsten mindert und möglicherweise per Hand abgetippt, wie damals zur Sowjetzeiten die Dissidentenliteratur. Neben „Trophäenbüchern“ werden auch „Trophäenfilme“ aus dem Westen auf die gleiche Weise geklaut, das geistige Eigentum des Westens wird in der neuen Groß-DDR mit Füßen getreten.