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Meine erste Lesereise In März:

05.03. in Jena F-Haus

06.03. Saalfeld Meininger Hof

07.03.Altenburg Kulturhof

08.03. Augsburg Parktheater

09.03. Hallstadt Kulturboden

Alle willkommen!



Randnotiz zum s.g. „Frühlingsbeginn“


Sicher spielen in unserem Leben viele Faktoren mit, die zu verändern nicht in unserer Macht steht. Die Naturgewalten, die unser Handeln beeinflussen kennt jeder. Es sind die streikenden Lufthansa Piloten, chronisch verspäteten Züge der deutschen Bahn, die keine Überholspure haben und deswegen verbahnt sind, langsam hintereinander zu fahren, gefährlich schnell wachsende extremistische Parteien, steigende Wohnkosten, aggressive ausländische Regierungen, die berühmte deutsche „wirtschaftliche Flaute“, die wie Schimmel das Land in regelmäßigen Abständen befällt, die daran angepassten Diäten im Bundestag, der Rundfunkbeitrag, die Mobilfunklöcher und etliches mehr.

 All diese Naturgewalten sind mit menschlicher Hand nicht zu regeln, von daher wäre es eine reine Zeitverschwendung, darüber zu jammern. Warum man aber in einer zivilisierten fortschrittlichen Gesellschaft des XXI-Jahrhunderts permanent mit Frost, Schnee, Glatteis und Dauerregen leben musste, ist nicht rational zu erklären.

Allein der letzte Winter warf viele Fragen auf. Was sollte diese Kälte? Hier haben wir doch alle Hebel in der Hand.

Man könnte mit Diplomatie, mit einer neuen Verordnung, einer veränderten Gesetzgebung, im Notfall auch mit Verboten eine Normalität schaffen, die solche Winter außer Kraft setzt.

Stattdessen wurden wir mit einer beschämenden Gleichgültigkeit der Politik konfrontiert, die Macheliten taten so, als würden sie die Wetterverhältnisse überhaupt nicht angehen.

„Das Wetter bilde keine relevante Problemlage für politisches Handeln und sei unter Alltagsbewältigung zu verbuchen“ meinten die Volksvertreter. Die Bürger wurden also schon wieder mit Scheinbotschaften vertröstet: Man sollte Geduld haben und abwarten, irgendwann würden der Schnee und das Eis von allein tauen und verschwinden. Dabei ging es um Monate der verloreneren Lebenszeit von Millionen Menschen. Unzählige Stunden, die sie in den depressiven, schlecht beleuchteten und zum Teil gar nicht beheizten Räumen verbringen mussten, ohne einer Sonnenstunde am Tag, unter künstlicher Beleuchtung der LED- Lampen.

Der ganze Unfug wurde auch noch im öffentlichen Diskurs hinterhältig als so genanntes „Wetter“ abgetan, als fatalistischer schicksalergebener Gang der Jahreszeiten. Er wurde den sogenannten „Wetterfröschen“ (so heißen die Nachrichtensprecher bei Tagesthemen im Fernsehen) zum Fraß gegeben. Diese Wetterfrösche sollten die Botschaft verbreiten, man solle sich „mit dem Wetter engagieren“, sich den Wetterbedingungen anpassen. Kein guter Rat. Denn leider waren alle Versuche der Menschen mit diesem sogenannten „Wetter“ eine Übereinkunft zu schließen bis jetzt gescheitert, unabhängig von Jahreszeiten.

Das Wetter ist in den ganzen Jahren uns kein Zentimeter entgegengekommen, es schneit, es überhitzt uns, oder es macht uns nass. Mit Jahreszeitenwechsel hat es wenig zu tun.

Der Jahreszeitenwechsel ist eine veraltete Doktrin, ein „wishful thinking“, es wird Zeit sich davon zu verabschieden und es durch moderneres fortschrittlicheres Denken zu ersetzen. Wir brauchen einen lebensbejahenden menschenfreundlicheren Jahreszyklus, mit weniger Kälte, weniger Dürre, nicht zu trocken im Sommer und nicht so nass im Herbst. Die dafür zuständigen, ohne jetzt die Namen zu nennen, sollten sich dringend Gedanken darüber machen.

Während ein Teil der Menschheit unermüdlich neue Wege baut, neue Medikamente zur Bekämpfung der tödlichen Krankheiten entwickelt und ab und zu sogar zu den Sternen fliegt, schaut ein anderer Teil zu, wie es permanent regnet oder scheint.

Besonders unzumutbar ist die fatalistische Einstellung eines Teils der Bevölkerung zu dieser Problematik, zum Beispiel einiger Kulturschafenden, die sich von jedem „Wetter“ sofort animiert fühlen, romantische Versen über den so genannten Winter oder Frühling zu schreiben, so wie die Touristen, die trotz des Wetters sogar in Februar Berlin besuchen, von den joggenden Mitmenschen ganz zu schweigen, die zu jeder Jahreszeit, im Schnee und im Regen in nassen Schuhen und dürftigen Neoprenanzügen, Tag und Nacht den Straßenschleim kneten, als wollen sie ewig leben. Und noch einmal als Fazit: Die aktuell verbreitete Vorstellung, wir sollten uns dem Wetter anpassen, ist falsch. Warum soll man sich an etwas anpassen, das sich an Dich überhaupt nicht anpassen will.


Russendiskonews 02/02 2026

Trophäenkultur


Über kaum ein Land wurden in den letzten Jahren so viele politische Analysen wie über Russland angestellt. Wohin driftet das Land? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage ist gut versteckt im Kopf eines Mannes, der die absolute Macht im Land errungen hat und seine Untertanen sowie seine Feinde darüber gerne im Dunkeln lässt. Auch die schärfsten Politologen können in den Kopf eines Mannes nicht reinschauen.

Und selbst wenn sie diesen Kopf röntgen würden, wäre nicht ausgemacht, dass sie dort eine gescheite Antwort fänden. Wie in dem alten indischen Märchen, in dem vier Blinde einen Elefanten von allen Seiten betatschen, um herauszufinden, welche Form das Tier hat und zu äußerst unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wird Russland von den Denkfabriken in aller Welt analysiert, mit uneindeutigen Ergebnissen.

In einem sind sich die Experten einig, Russland hat sich vom demokratischen Entwicklungsweg verabschiedet und baut einen autoritären Staat auf, ohne Rücksicht auf die Bürgerrechte und ohne Austauschmöglichkeiten für das politische Personal. Ein Wechsel der Führung ist nicht vorgesehen.

Doch welche Art des autoritären Staates entsteht da, wie wird das gesuchte Modell genau aussehen? Da gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Die Auferstehung der Sowjetunion wäre in der heutigen wirtschaftlichen Situation nicht mehr machbar, das steile sozialistische Konstrukt mit Einparteiensystem, Politbüro und staatlicher Planwirtschaft würde heute wie ein Relikt aus der Steinzeit wirken.

Eine knochenharte Diktatur wie in Nordkorea, ein abgeschottetes Land mit ausgeschaltetem Internet, einer äußerst disziplinierten, nüchternen Bevölkerung und täglich emotional vorgetragenen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Führers würde im großen Russland zerbröseln. Viele Experten sind von daher der Meinung, der Zukunftstraum der russischen Führung sei die DDR. Und in der Tat spricht vieles dafür. Die DDR – ein Mehrparteiensystem, in dem alle Parteien in den Schlüsselfragen die gleiche Meinung vertreten und den gleichen Präsidenten mögen, zur Stärkung des Regimes harte, aber stichprobenartige Repressionen gegen ausgesuchte „Feinde des Volkes“ verwenden, alle Bevölkerungsschichten von Geburt an in möglichst viele Verbände, Vereinigungen und Institutionen einbinden und große Mengen von Akten über sie horten.

In der DDR sollte jeder Bürger idealerweise mindestens drei Akten haben: Eine Akte, die er selbst über sich führte, eine, die von seinen Familienangehörigen und Freunden vervollständigt werden müsste und eine offizielle, von der Staatssicherheit angelegte.

Letzten Endes waren alle Bürger erfasst und zwischen dem Hausbuch der DDR und der Konsumgenossenschaft eingeteilt, und das wohl bemerkt noch vor Erfindung des Internets.

Der russische Führer und etliche seiner Freunde haben die DDR gut in Erinnerung, ihre besten Jahre haben sie in diesem Land verbracht, an gut gewaschenen Tischen mit deutschen Genossen gepflegte Biere getrunken und Kuchen gegessen, und der war nicht schlecht in der DDR.

Vieles spricht für dieses Projekt, die DDR als bessere und etwas weniger kompakte Sowjetunion nachzubauen. Dagegen spricht jedoch die nach wie vor unklare Grenzsituation des neuen Russlands.

Die Verkleinerung der Sowjetunion vor 36 Jahren hat tiefe Spuren hinterlassen und mehrere spätere Kreuzzüge ins Leben gerufen, die den kolonialen Status Quo der Russen wieder herstellen sollten. Die Nachbarstaaten Kasachstan, Lettland, Estland, Litauen wurden permanent bedroht. Die Nachbarstaaten Moldau, Georgien, Ukraine wurden mit blutigen Schlachten überzogen. Die Grenzen der alten DDR waren von allen Seiten mit Panzerdivisionen und Mauern geschützt, die Grenzen der russischen Föderation schimmern im Kopf eines Mannes, und wie die Erfahrung zeigt, sie sind dehnbar.

Immer wieder kommen widersprüchlichen Ansagen zu diesem Problem. Es heißt, die russische Welt habe gar keine geografischen Grenzen, überall dort, wo Russen leben, seien auch russische Interessen zu verteidigen. Wir haben es also mit einem Land ohne Grenzen zu tun.

Als Folge dieser Politik der Grenzenlosigkeit entstehen rund um das Land hier und da die sogenannten NATs, „nicht anerkannte Territorien“: Transnistrien in der Republik Moldau, Südossetien und Abchasien in der Georgischen Republik, die Halbinsel Krim und die Luhansker und Donezker Volksrepubliken als frisch annektierte Gebiete in der Ukraine.

Den offiziellen Status dieser halberoberten halb zerbombten Gebiete weiß nicht einmal Russland selbst, ein Teil davon wurde offiziell zum russischen Staatsgebiet erklärt ein anderer aber nicht.

Da drin, in dieser Blutsuppe, die sich als Folge der russischen Kolonialkriege bildete, leben Millionen Menschen. Sie versuchen in einem rechtsfreien Raum über die Runden zu kommen und werden von der russischen Kriminalität angesteckt.

Der Drogen- und Waffenhandel wird in die rechtsfreien Zonen umgelagert, aber auch Telefonbetrug, der sich in Russland in den letzten Jahren überdimensional entwickelt hat. Sowie Menschenhandel und pikanterweise auch der Buchhandel.

So ist der neue Roman von Dan Brown „Das Geheimnis der Geheimnisse“ der offiziell in Russland gar nicht erscheinen darf, in der Donezker Volksrepublik im Piratenverlag „Trophäen Bücher“ erschienen. Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine haben viele ausländische Verlage und Autoren Russland verlassen. Aus Protest gegen die aggressive russische Kriegspolitik wollten die Kollegen ihre Werke in Russland nicht veröffentlichen, wegen Sanktionen sahen die Verlage für sich keine saubere Möglichkeit, die finanziellen Geschäfte mit russischen Partnern abzuwickeln. Das hat dem Handel keinen Abbruch getan. Der neue Bestseller von Dan Brown wurde wahrscheinlich von KI übersetzt, was nebenbei gesagt die Qualität des Werkes nicht im Geringsten mindert und möglicherweise per Hand abgetippt, wie damals zur Sowjetzeiten die Dissidentenliteratur. Neben „Trophäenbüchern“ werden auch „Trophäenfilme“ aus dem Westen auf die gleiche Weise geklaut, das geistige Eigentum des Westens wird in der neuen Groß-DDR mit Füßen getreten.


So ist mein Plan, wenn am 4 März der Frühling kommt und er wird sicher kommen,

lade ich alle Berlinerinnen ins BKA Theater zur Kaminers Märchenstunde.

Es geht um sprechende Fische, den Hasen, Igel und Honecker und über die unglaublichen Abenteuer der Bremer Stadtmusikanten in der Sowjetunion.


Russendiskonews 02/26


Seit diese hinterhältige KI das Internet gekentert hat, bestehen meine Nachrichten hauptsächlich aus Glatteis, Krieg und Dschungelcamp. Nur selten wird über etwas Positives berichtet. Mal schwärmt die Tochter von Mick Jagger von seinen hervorragenden Opa-Qualitäten und mal werden seltene Wildkatzen in Sachsen-Anhalt gesichtet. Der Rest ist Apokalypse.

Ganz oben als Überschrift steht „diese Nachrichten wurden extra für Dich zusammengestellt, aufgrund Deiner früheren Aktivitäten und Einkäufe“. Wird mir also von KI die Schuld dafür geschoben, dass die alte Weltordnung wackelt? Ich habe mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun, abgesehen von den Wildkatzen vielleicht.

In der Tat hatte ich neulich ein Katzenklo gekauft, wir haben zwei Bengal-Katzen zuhause, die mehr als eine Toilette brauchen, dafür muss jetzt anscheinend Sachsen-Anhalt geradestehen. Mit dem Glatteis habe ich nichts zu tun, das ist der Willkür der Natur geschuldet und den Krieg hat ein anderer Wladimir angezettelt, es muss sich hierbei um eine Verwechslung handeln.

Dieses ständige Beweinen und Trauern über die alte Weltordnung wird in den deutschen Medien mit einem solchen tragischen Unterton betrieben, als ginge damit die ganze Welt unter, wobei die Erfahrung der Vergangenheit und der gesunde Menschenverstand zeigen, nach jeder alten Weltordnung kommt eine neue und die Blumen blühen wieder in Frühling. Natürlich wäre es angebracht, die alte Ordnung standesgemäß zu verabschieden. Sie hat uns gut und lange gedient, doch nichts ist für die Ewigkeit, man musste kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass diese alte Ordnung schon länger Atembeschwerden hatte.

Erstaunt über die Schnelligkeit des Untergangs sind vor allem deutsche und europäische Politiker, sie laufen nun dem amerikanischen Stand Up-Präsidenten bei seiner atemberaubenden „Reise nach Jerusalem“ hinterher, ohne zu merken, dass am Ende dieses Spiels nur ein Stuhl auf der Weltbühne bleiben soll, und der ist seiner. Auf die Idee, ihr eigenes Spiel zu entwickeln kommen sie nicht.

Die Zeit der alten Ordnung ist abgelaufen, die neue Zeit hat noch nicht begonnen. In dieser Kluft verwandelt sich die Welt vorübergehend in ein Jurassic Park ohne Regeln, mühsam geschaffene politische Institutionen werden außer Kraft gesetzt und etliche Präsidenten verwildern, sie verwandeln sich in gefährliche Bestien. Im Jurassic Park wird nämlich das Recht des Stärkeren ausgeübt, Tyrannosaurier springen herum und rauben, was sie unter die Krallen kriegen können: Staaten, Inseln, Ressourcen, seltene Erden, aber auch die gewöhnlichen, nicht seltenen Erden, sie nehmen alles, man gönnt sich ja sonst nichts.

Und so umschlingt jedes Tier sein „Gönnland“, der russische Präsident will die Ukraine haben, der chinesische will Taiwan, der amerikanische am besten die halbe Welt.

Nur Europa, eine pflanzenfressende Großmacht ohne Krallen, macht da nicht mit, es weiß nicht einmal, wo ihr „Gönnland“ liegt. Wo will es denn hin?

Also schauen die Europäer aus sicherer Entfernung zu, wie die Raubtiere untereinander die Welt in Einflusszonen aufteilen und sich in Scheindiplomatie üben. So versucht der amerikanische Präsident dem russischen Artgenossen mit einer gefakten Friedensverhandlungsschau zu helfen, das Nachbarland zu verdauen.

Diese vorgespielten „Friedensverhandlungen“ werden wohlbemerkt nicht von Diplomaten, sondern von Freunden und Verwandten der Weltherren geführt, von Menschen, die nichts zu entscheiden haben. Seitens der Amerikaner waren es in der Regel der Schwiegersohn des Präsidenten und sein Golfmitspieler, von der russischen Seite: der Ehemann der besten Freundin der Tochter des Präsidenten, ein gewisser Kyrill, den vorher keiner kannte. Offiziell haben diese Menschen keine Funktionen in den Regierungen ihrer Länder, es gibt zumindest von der russischen Seite keine Bestätigung dafür, dass der russische Oberbefehlshaber jemals diesen Kyrill tatsächlich beauftragt hat, irgendwelche Verhandlungen mit den USA zu führen. Er kann also zur Not immer sagen, er kenne ihn überhaupt nicht.

Die energetische Infrastruktur in der Ukraine ist zerstört, die Friedenspause war nur vorgespielt, damit die Russen wieder genug Raketen zusammen haben, um die ukrainische Bevölkerung weiter zu terrorisieren, also den Menschen dort das Leben zur Hölle zu machen.

Ohne gewünschte Ergebnisse. Die Ukrainer halten durch. Meine Freundin in Odessa lebt mit ihrer Familie unter ständigem Beschuss, aber verliert ihren Optimismus nicht, hey, man gewöhnt sich an alles. Sie haben eigene Stromerzeuger, Generatoren, Powerbanks, die ganze Ausrüstung der Apokalypse im Haus. Letzte Woche ging sie nach der Arbeit mit ihrer Tochter ins Kino, „Avatar“ gucken. Meine Odessiten konnten sich voll mit dem Volk der blauen Avatar- Menschen identifizieren, die auf der Leinwand gegen die Zerstörung ihres Heimatbaums kämpfen.

Der Film ist allerding über drei Stunden lang, zwei Mal mussten die Zuschauer in den Bunker wegen Raketenalarm. Die neuen Regeln sind so: Wenn während des Kinobesuchs die Sirenen heulen und die Bombardierung länger als 20 Minuten dauert, kann man den Film an einem anderen Tag zu Ende schauen. Die Karten verlieren nicht ihre Gültigkeit.


Das Jahr hat erschreckend turbulent begonnen, wie eine neue Staffel von Game of Thrones: Kriege, Morde und Intrigen, Machtkämpfe, wie wir sie schon lange nicht gesehen haben, deutsche Soldaten auf Grönland, Inder in der russischen Armee, unkonventionelle Kriegsführung, Elefanten gegen Eisbären? Alles scheint möglich.

Was allerdings unsere realexistierenden Machthaber von den Fantasy-Königen unterscheidet, ist ihre sture Unfähigkeit, die Realität anzuerkennen. Beide Präsidenten, der russische Autokrat und der Weltmächtige Amerikaner scheinen psychologische Schutzmechanismen entwickelt zu haben, die ihnen zur Verdrängung der Realität dienen.

Der Kriegsführer in Kreml, der bereits Ende des letzten Jahres in eine merkwürdige Fantasieuniform geschlüpft war, zog sie nun aus. In seinem ersten öffentlichen Auftritt des Jahres redete er mit europäischen Diplomaten und gab Europa die Schuld an seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Diplomaten haben ihm nicht widersprochen, nur diplomatisch genickt. Die Militärexperten sind sich einig, Russland hat den seit vier Jahren andauernder Krieg verloren.
Die Offensive 2025 ist wie die in den Jahren davor gescheitert, die russische Armee hat es trotz ihrer Überlegenheit in der Luft und ihrer Bereitschaft, große Verluste auf dem Boden hinzunehmen, nicht geschafft, den Vormarsch im Osten der Ukraine zu beschleunigen, ihre Eroberungen sind bescheiden und bleiben bei 1% des ukrainischen Staatsgebiets. Die Umzingelung der ukrainischen Armee im Donbass ist Wunschdenken geblieben, die Geschwindigkeit des Vorankommens der russischen Armee ist dieselbe wie im Jahr davor, der Preis dafür hat sich jedoch erhöht: 100 Soldaten pro Quadratkilometer.

Das Regimewechsel in Kiew fand nicht statt, die Unterstützung der Ukraine seitens Europas hält stand.
Die Frage ist, wie kommt der russische Machthaber aus dem verlorenen Krieg, ohne sein Gesicht zu verlieren? Was kann er seiner Bevölkerung als Gewinn präsentieren? Zerbombte Wohnhäuser und Strommasten? Die nahliegende Antwort ist, um weiter erfolgreich seinen Krieg zu führen, braucht er einen anderen schwächeren Gegner, zum Beispiel die EU. An dieser hybriden Front hat der russische Präsident mehr Erfolgschancen als in der Ukraine. Europa ist zerstritten und nicht gewöhnt, sich selbst ohne amerikanische Unterstützung um die eigene Sicherheit zu kümmern.
Obwohl dieses Jahr keine großen Wahlen in England, Frankreich und Deutschland anstehen, leben die Koalitionsregierungen des Kontinents in einer Art Ohnmacht, mit dem Gefühl einer drohenden zukünftigen Niederlage, das auf die Bevölkerung überschwappt und als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung funktioniert. Denn mit der EU ist es ähnlich, wie mit Gott. Sie existiert solange wie die Menschen daran glauben. Wenn der Glaube schwindet, schwindet auch die EU. Und niemand ist da, um Hilfe zu leisten, die Amerikaner tun so, als würden sie uns gar nicht kennen.

Momentan bereitet der amerikanische Machthaber den Europäern sogar mehr Kopfschmerzen als sein russischer Kollege, mit altersbedingter Schamlosigkeit entwickelte er eine manische Besessenheit für die größte Insel der Welt. Er kann der Anziehung Grönlands nicht widerstehen, wie ein Kind, das nie ein Eis essen durfte, möchte er nun, siebzig Jahre später unbedingt den größten Eiswürfel der Welt haben, egal was es kostet. Die Gründe dafür werden immer wieder frei erfunden.

Mal ist es die angeblich fehlende amerikanische militärische Präsenz in der Arktis, mal das Lieblingsthema des Amerikaners, die Bodenschätze. Doch weder das eine noch das andere kann dieses Drängen erklären. Militärische Präsenz kann den Amerikanern im Rahmen des NATO-Bündnisses jederzeit gegönnt werden und die Vorkommen auf Grönland gab es schon immer, die großen Konzerne hätten sie schon längst geholt, wenn der Preis für die Beförderung dieser Vorkommen nicht so hoch wäre. Zurzeit
übersteigt er um das Dreifache den Marktwert dieser Vorkommen.

Dasselbe gilt übrigens für das Öl in Venezuela, vor den Sanktionen haben mehrere unter anderem auch amerikanischen Konzerne versucht, mit dem teuren venezolanischen Öl reich zu werden, es gelang ihnen nicht. Von den seltenen ukrainischen Erden ganz zu schweigen. Nun hat Grönland alle Chancen, zum Zankapfel zwischen der EU und Amerika zu werden, nicht umsonst reagierte der Bundeskanzler umgehend und schickte eine Einheit der deutschen Bundeswehr auf die Insel, immerhin 13 Soldaten und nur für zwei Tage als symbolischer Ausdruck für die Bereitschaft, Dänemark im Streit zu unterstützen.

Hoffentlich hatten diese Soldaten genug warme Sachen mit. Es lässt sich für mich schwer einschätzen, wie gefährlich diese Mission auf Grönland war. Ein paar Freunde, die in der Nähe des Polarkreises gedient haben, sagten, ist halb so schlimm, man soll auf jeden Fall im Norden nach den Gesetzen des Nordens handeln und sie akzeptieren.
Die Eisbären zu streicheln und im Freien zu pinkeln sind zum Beispiel zwei Tabus, aber das weiß die Bundeswehr sicher auch. Trotz des ganzen Zirkus bleibt uns die Hoffnung, dass 2026 ein Jahr des Friedens werden könnte. Für Menschen und für Eisbären.


Meine erste West-Lesereise in Januar ist zu Ende gegangen, es war unsäglich schön, so viele

tolle Menschen zu sehen. Tausende kamen, wir haben zusammen gelacht und überlegt, wie geht es mit uns weiter. Ich bin sicher, die beiden dämlichen Präsidenten, der rote amerikanische Clown und der russische Botox-Offizier werden wir überleben.  Die Vernunft, des Herzens größte Freundin wird die Oberhand bekommen, zusammen sind wir stark. In einer Woche gehe ich nun frohen Mutes auf meine Ost-Lesereise:  

21.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Arnstadt, Theater im Schlossgarten

22.01.2026 19:30 Uhr

Die Kaminer Show 2026

Gotha, Kulturhaus

23.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Wernigerode, Konzerthaus Liebfrauen

28.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Halle/ Saale, Steintor-Variete

31.01.2026 19:30 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Wurzen, Kulturhaus Schweizergarten

01.02.2026 18:00 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Coswig, Börse

02.02.2026 20:00 Uhr

Das geheime Leben der Deutschen

Berlin, Bar jeder Vernunft

Das Foto ist von Heike Haimerl


Russendiskonews Januar 2026 ( Aus dem Zug Stuttgart- Bielefeld)


Laut der Pseudowissenschaft Numerologie ist die Zahl 21 eine besondere Zahl, sie symbolisiert die Vollendung, die Reife und den Neuanfang. Die 21 ist der höchste Gewinn bei Blackjack. Für mich war die Zahl 21 die Zahl der Zukunft. Das XXI-Jahrhundert sollte zum Black Jack-Gewinn der Menschheit werden. Alle bedeutenden Science-Fiction Romane und Filme meiner Jugend spielten darin.

Das Jahrhundert XXI war voller Wunder und Versprechungen: die fliegenden Autos, die menschliche Siedlungen auf dem Mond und auf anderen Planeten, eine kommunistische Weltregierung, die alle Sorgen und Nöte der Erdbevölkerung weise und vorausschauend managt. Krebs ist besiegt, Geld abgeschafft, Kommunismus aufgebaut. Es ging steil nach oben.

Mit Zuversicht und Hoffnung schritten wir auf diesem Weg voran, drehten uns kurz um und erschraken, schon ist ein Viertel der Zukunft vorbei.

Die Autos fliegen nicht, der Mond und die anderen Planeten nach wie vor menschenleer, Krebs ist nicht besiegt, statt Kommunismus Mindestlohn. Und die frischgezapfte Weltregierung lässt grüßen, sie besteht aus Schurken und Idioten ohne jegliche soziale Verantwortung. Es scheint, als hätte die Menschheit eine neue Sportart für sich entdeckt, den Rückwärtssprung.

Die Welt wird von so genannten „Präsidenten“ gemanagt, es sind ehemalige Immobilienmakler, Sicherheitsoffiziere, Busfahrer, Schauspieler, die sich alle nicht mögen und permanent um sich greifen. Mit solchen Nachrichten starten wir ins Neues Jahr: Der amerikanische Präsident hat den venezolanischen Präsidenten entführt, der ukrainische sagte daraufhin, jetzt soll der Amerikaner am besten noch den russischen mitnehmen. Daraufhin drohte der Chef des russischen Sicherheitsrates, den deutschen Bundeskanzler nach Moskau abzuschleppen. Die Empörung in Deutschland hielt sich in Grenzen. Wenn der Bedarf da ist, man kann ja über alles reden..

Sicher wären die meisten Russen überglücklich, wenn ihr „Präsident“ plötzlich verschwinden würde. Doch davon können sie nur träumen.

In den letzten Tagen des Jahres wurde die Bevölkerung der russischen Föderation mit der Erscheinung ihres Machthabers, im Volksmund „Opa“ genannt, im Fernsehen großzügig beschenkt. Der „Opa“ lief auf allen Kanälen gleichzeitig, er saß beim Frühstuck wie immer mit seinem Lieblingsquark, er wünschte dem Volk alles Gute für das neue Jahr, er prahlte mit Erfolgen, er traf sich mit seinen Ministern, mit Generälen und mit Unternehmern. Der Opa strahlte wie eine Goldmünze. Es ging ihm blendend, er war kurz davor, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen und den Westen in die Schränke zu weisen. Seine Botschaft war unmissverständlich: wir brauchen keine Verhandlungen, wir brauchen keine Verbündeten, wir sind das stärkste Land der Welt, alles geschafft aus eigener Kraft, alle sollen Angst vor uns haben.

Auffallend bei diesen Auftritten war, dass alle seine Gesprächspartner ziemlich verbitterte Mienen hatten, missmutig und mürrisch dreinblickten. Anscheinend freute sich der Oberbefehlshaber allein. Die Wirtschaftsleute und die Minister sahen übermüdet und platt aus, die Generäle bemühten sich, dem Opa nicht in die Augen zu blicken.

Für viele in Russland brachte das vergangene Jahr eine große Enttäuschung. Die ununterbrochenen Friedenverhandlungen suggerierten der Bevölkerung Hoffnung, sehr bald sei es mit dem Krieg vorbei. Der Opa verhandelt geschickt, er will bloß verbesserte Bedingungen aus der gegnerischen Seite rauspressen. Laut allen Umfragen zeigte sich die absolute Mehrheit der Bürger mit dem Abzug der Armee aus dem Nachbarland einverstanden. Die Minister schwiegen laut über das von Militärausgaben gebeutete Staatsbudget, die Vertreter der sanktionierten Wirtschaft gestikulierten, das Land könnte unter Umständen noch ein weiteres Jahr des Krieges nicht stemmen. Und die Generäle? Sie wurden Geisel ihrer eigenen optimistischen Berichterstattung. Aus nachvollziehbaren Gründen übermittelten sie dem Opa nur good news, sie erzählten ihm von den großartigen Eroberungen und machten ihm falsche Hoffnungen: sehr bald, eigentlich jetzt, aber spätestens übermorgen würden die Ukrainer kapitulieren.

Diese Infos haben den Opa nicht gerade zu Friedenverhandlungen animiert. Ganz im Gegenteil, seine Erwartungen an die Generäle waren gestiegen. Warum stehen bleiben, wenn es so prächtig läuft? Er wünscht sich nun größere Städte zu erobern, er will Odessa und Charkiw, er will nach Kiew marschieren, obwohl ein Blick auf die Karte reicht, um festzustellen, wo sich die russischen Erfolge befinden.

Nach vier Jahren Krieg und 200 000 toten Soldaten steht die russische Armee gerade mal vierzig Kilometer von der ursprünglichen Grenze der russischen Föderation in den Eisboden Ukraines eingefroren. Die Bäume sind kahl, ohne Blätter keine Truppenbewegungen möglich, wegen Drohnen. Der Krieg ist bis Ende März gestorben. Aber niemand im Kreml traut sich, dem Opa diese Wahrheit zu sagen.

Die Uhr tickt, die Säure des Krieges zersetzt langsam, aber unaufhaltsam den russischen Alltag, die Repressalien werden ausgeweitet, das mobile Internet wird flächendeckend im Land abgeschaltet, die neuen Steuersätze sollen das frische Geld aus den Taschen der Bürger in die Kriegskasse spülen, die Rekrutierung der neuen Soldaten muss irgendwie beschleunigt werden. Wie ein hungriger Trüffelschein sucht der Staat unermüdlich bei den Bürgern nach Geld und Menschen, die Waffen tragen können, er tut alles, um den Opa nicht zu enttäuschen. Als würden die Staatsdiener mehr Angst vor dem Zorn des Chefs als vor dem Untergang ihres Landes haben.

Die zarte Balance des russischen Lebens wird in dem neuen Jahr auf eine harte Probe gestellt, die Wünsche des Chefs stehen den Wünschen des Landes gegenüber. Eine gefährliche Frühstucksituation.


Möge das neue Jahr nachsichtig und milde zu uns sein. Sollen die Menschen die Waffen ruhen lassen und sich der Kultur und der Wissenschaft hingeben. Nur die Symbiose der Kultur und der Wissenschaft kann Homo zum sapiens verhelfen. Mit diesem Wunsch gesegnet, gehe ich ins neue Jahr:

    02. Januar 2026 Köln – Gloria | 19:00 Uhr

04. Januar 2026 Frankfurt – Batschkapp | 19:00 Uhr

05. Januar 2026 Oberhausen – Ebertbad | 20:00 Uhr

08. Januar 2026 Tübingen – LTT | 19:30 Uhr

09. Januar 2026 Karlsruhe – Tollhaus | 19:00 Uhr

10. Januar 2026 Stuttgart – Theaterhaus | 19:00 Uhr

11. Januar 2026 Bielefeld – Lokschuppen | 18:00 Uhr